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Zu neuen Zielen – die Neunziger Jahre

Wiedereröffnung der Gaststätte 1990

Verfolgen wir zunächst die Entwicklung unserer Hausgaststätte weiter: Sie konnte nach umfangreichen Renovierungsarbeiten ab Mai 1990 unter der Leitung von Frau Krack und Herrn Faust wieder eröffnet werden. Doch ein Jahr später lesen wir im Protokoll: „Es wurde nach eingehender Beratung beschlossen, den einjährigen Pachtvertrag des Wirte-Ehepaares Faust nicht über den 30.04.1991 hinaus zu verlängern.“ Wieder folgten mehrere Monate aufopfernder Suche. Nachdem 1990 nach dem Fall der Mauer sich die beiden deutschen Staaten vereinigt hatten und auch eine Bewerbung aus dem Ostteil Deutschlands für unsere Gaststätte eintraf, entschloss man sich zu einer „Expeditionsfahrt“ in den Osten: „So fuhren die Herren Deimel, Krack, Eschmann und Bonn nach Frankenberg, um sich Eindrücke von den Bewerbern sowie deren Fertigkeit zu verschaffen. Diese Eindrücke wurden den übrigen Verwaltungsmitgliedern dargelegt.“ Man entschloss sich nach längerer Diskussion, den Pachtvertrag mit den Eheleuten Kadalla abzuschließen. Allerdings erkannten diese bald, dass die Führung einer Winzergaststätte nicht ihren Vorstellungen entsprach. So trennte man sich zum 30.06.1993 in gegenseitigem Einvernehmen.

Relativ schnell fand man in Herrn Weisbrodt aus Rödersheim einen neuen Wirt, der auch mit Unterstützung seiner Verwandten die Gaststätte ordentlich führte. Allerdings mahnten die Protokolle ab 1995 „ausgiebige Ruhetage und sehr variable Öffnungszeiten“ an. Als Herr Weisbrodt zum 31.05.1998 seinen Vertrag nicht verlängerte, glaubte man mit Herrn Jacobs einen guten Gastronomen verpflichten zu können. Doch im Laufe der Verhandlungen wurden immer neue und zum Teil für den Verein inakzeptable Forderungen gestellt, so dass nach sehr regem Schriftverkehr beide Seiten vom Vertrag zurück traten. Bei den folgenden kostenintensiven Renovierungsarbeiten erfolgten die Neueindeckung des Daches, der Einbau einer Zentralheizung, die Versiegelung des Parketts, die Neuanschaffung von Stühlen, die Umgestaltung der Küche nach den Auflagen des Veterinäramtes usw. Vor allem die Erneuerung der undichten und im Gemäldezimmer sogar baufälligen Fenster brachte dem F.W.V. nicht nur hohe Kosten, sondern auch einen Streit mit der Denkmalbehörde, der schließlich vor dem Amtsgericht Bad Dürkheim zu unseren Gunsten entschieden wurde. Mit Herrn Nelz aus Hambach fand die Verwaltung einen engagierten Wirt,  der die Gaststätte im März 1999 übernahm und fast ein Jahrzehnt führte und prägte. Den nun wieder anstehenden Wirtewechsel mögen spätere Generationen entsprechend kommentieren.

Förderung des Flaschenweinverkaufs

Die Absatzlage im deutschen Weinbau war wie berichtet Mitte der 80er Jahre sehr schwierig geworden und besserte sich zunächst auch im neuen Jahrzehnt kaum. Die Fassweinpreise waren katastrophal niedrig. Zudem gaben die Verbraucher oft ausländischen Weinen den Vorzug. Zusammen mit dem neuen Geschäftsführer, Herrn Bonn, beschloss die Verwaltung zahlreiche Maßnahmen zur Ausweitung des Flaschenweinverkaufs und besonders des Barverkaufs an Privatkunden. Neben verschiedenen Werbeaktionen und Inseraten hatte vor allem die 1993 erstmals geschaltete Radiowerbung einen großen Erfolg. Da man die Beratung der Kunden an der Theke als entscheidend für den Erfolg erkannte, stellte man 1994 Frau Hauck als Halbtagskraft ein. 1999 wurde das Verkaufsteam nochmals verstärkt durch Frau Bonn als zusätzliche Halbtagskraft.

 

Weingut Mossbacherhof
Unterzeichnung des Pachtvertrags

Musste zu Beginn des Jahrzehnts vor jeder Auszahlung noch über Wechselschulden und Auszahlungsfinanzierung gesprochen werden, so konnte man ab 1995 der Generalversammlung erstmals über Habenbestände in Höhe der jeweiligen Auszahlung berichten. Herr Fontana vom Genossenschafts-Verband würdigte ausdrücklich die Leistungsfähigkeit des F.W.V. Da es inzwischen bei einigen Weinsorten Engpässe gab, wurde 1996 die Vertriebsgesellschaft „Forster Weinkontor GmbH“ mit den Geschäftsführern Ernst Lucas und Dietmar Bonn gegründet, über die man fehlende Weine zukaufen und so besser auf die Marktanforderungen reagieren konnte. 1998 gelang nach intensiven Verhandlungen von Ernst Lucas und Dietmar Bonn mit der Zupachtung des Weingutes „Mossbacherhof“ die Ausweitung der Weinbergsfläche in den besten Forster Lagen: „Der Geschäftsführer beurteilt diesen Vertragsabschluss als einen historischen Augenblick, da man nicht nur die Flächen eines renommierten VDP-Weingutes übernommen hat, sondern sich für die nächsten 20 Jahre in den Forster Spitzenlagen ein gutes Verkaufskontingent geschaffen hat.“ Besondere Gewächse aus diesen Weinbergen werden als „Selektion Mossbacherhof“ ausgebaut und in einer eigenen Produktlinie im gehobenen Preissegment vermarktet.

Selbstverständlich ging die Ausweitung des Flaschenweingeschäfts Hand in Hand mit etlichen Maßnahmen zur Steigerung der Qualität von Trauben und Wein. Neben den noch zu erwähnenden Investitionen wurde ab 1990 ein Mengenfaktor in die Auszahlungstabelle eingearbeitet. Wer Übermengen produzierte, wurde abgestraft, wer durch Rebschnitt und Pflegemaßnahmen weniger Trauben mit höherer Qualität anlieferte, wurde entsprechend belohnt. Man sichtete nach strengen Kriterien die Altbestände an Fass- und Flaschenwein und verkaufte die Partien, die nicht mehr ins Qualitätsprofil passten. Allerdings war der Verein nicht vor Rückschlägen sicher. Als Ende 1992 der langjährige Kellermeister „Friedel“ Wahl aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging, übernahm Herr Wolf diese Funktion. Leider wurde er beim Ausbau der 1993er Weine dieser Verantwortung nicht gerecht, sodass er eine Änderungskündigung erhielt und seinerseits zum 31.03.1994 kündigte. Herr Weidmann wurde jetzt erster Kellermeister und erhielt Herrn Freunscht als Fachkraft zur Seite. Trotz guter Ergebnisse kündigte Herr Weidmann 1996 aus persönlichen Gründen und Herr Bassler wurde zum 01.04.1996 als Kellermeister eingestellt.
Neu in den Aufsichtsrat wurde 1992 Ernst Lucas gewählt, der für den aus gesundheitlichen Gründen 1995 ausscheidenden Horst Wenser in den Vorstand nachrückte. Als neuen Aufsichtsrat bestimmte die Generalversammlung Peter Mosbacher. Im gleichen Jahr wählte der Aufsichtsrat einstimmig den Geschäftsführer Herrn Bonn in den Vorstand.  Nach der Wahl von Andreas Wenser 1998 als Aufsichtsrat und dem Ausscheiden des Aufsichtsrates Theo Eschmann im Jahr 2000 aus Altersgründen blieb die Zusammensetzung der Verwaltung mehrere Jahre unverändert.

Ausweitung der Lagerkapazitäten

Die Ausweitung der Weinbergsfläche, auch durch Zukauf eines Weinbergs im „Ungeheuer“ vom Weingut Wilhelm Spindler über 60,30 Ar  und die enorme Steigerung des Flaschenweinverkaufs machten in den 90er Jahren etliche Investitionen nötig. Das begann mit der Schaffung neuen Tankraums, als der angemietete Keller bei Seyler wegen eines Rechtsstreits um einen Leckageschaden gekündigt wurde. Der große Keller wurde zunächst teilweise und schließlich nach der Verschrottung der alten Stahltanks ganz mit Edelstahltanks bestückt, insgesamt mit einem Fassungsvermögen von ca. 270.000 Liter

 

Flaschenlager im alten Saal

Die Betonfässer im Saalkeller wurden neu ausgekleidet und neue Drucktanks angeschafft. Für die Abfüllung brauchte man einen Flaschen-Außenreiniger, einen Kapselaufsetzer, eine neue Etikettiermaschine und einen Flaschen-Sterilisator. Da die Kellerdecke im alten Saal zu schwach für die komplette Belegung mit Vollgut war, sollte 1997 eine selbsttragende Betondecke auf die alte Kellerdecke aufgebracht werden. Zwar hatte der Architekt nach eigenen Aussagen alles im Griff, konfrontierte die Verwaltung aber kurzfristig mit der Tatsache, dass Stahlstützen in den Saalkeller eingezogen werden mussten, die dort natürlich ein Hindernis darstellen.

In diesem Jahr wurde vom gleichen Architekten ein Teil des Innenhofs überdacht, um Platz für die Abfüllanlage zu schaffen. Glücklicherweise war hier nur eine einzige Stahlstütze nötig, um die zu kurz geratene Dachkonstruktion zu halten. 1998 wurde die alte Toilettenanlage östlich des Saals abgerissen und dort eine Betonplatte gegossen, auf die Außentanks gestellt wurden. Es sollte sich aber bald zeigen, dass diese Maßnahmen angesichts weiter steigenden Weinumsatzes nicht ausreichten.

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