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Winzerleben in den Zwanziger Jahren

Festwagen Bacchus 1926

Das erworbene Anwesen wurde nun den Bedürfnissen des Vereins angepasst. Wir erfahren von Fenster- und Türdurchbrüchen, vom Anschluss der „Dunggrube und Aborten“ an die Straßenkanalisation, einem Wasseranschluss für das Kelterhaus und vielem mehr. Auf Wunsch des Wirtes wurde die Waschküche im nördlichen Nebengebäude zu einem Schlachthaus umgebaut. Auch der große Garten, der an Mitglieder und den Wirt verpachtet war, stand häufig auf der Tagesordnung. Vor allem wollte man das südöstliche Stück von Familie Werle dazukaufen, was aber am Preis scheiterte.

Die Wirtschaft und der Garten wurden jetzt für Feste und Konzerte genutzt. Die Musikkapelle, die an Fronleichnam die Prozession begleitete, spielte nachmittags im Winzergarten auf. Auch der Turnverein hielt hier sein Fest ab, wobei er den Wein für 1,80 Mark pro Liter erhielt. Natürlich veranstaltete der Verein auch am Kirchweihsonntag ein Konzert mit Tanz; dabei erhielten die Helfer den üblichen Küferlohn und die Tanzordner 6 Mark pro Tag. „Da die Einnahmen für den Wirt günstig waren“, musste er sich mit 100 Mark an den Unkosten beteiligen.

Die Arbeit der Winzer in Forst

Einiges erfahren wir auch über die tägliche Winzerarbeit. Eine von der Generalversammlung gewählte Feldkommission überwachte den Rebschnitt, den Zustand der Felder im Sommer und die Gesundheit der Trauben vor der Lese. So wurde ein Winzer gemahnt, weil er im Oberen Pfeiffer zwei Ruten pro Stock angeschnitten hatte. Im Sommer beanstandete man mehrere Wingerte wegen ihres schlechten Zustandes. Und vor dem Herbst war es wichtig zu kontrollieren, wo Krankheiten die Qualität der Trauben beeinträchtigt hatten. Aus diesen Maßnahmen spricht das Bemühen unserer Vorfahren um eine hohe Weinqualität. Daher legte man auch großen Wert auf die Mitgliedschaft im „Verband Deutscher Naturwein- Versteigerer“, in dessen Verzeichnis 1926 der Winzerverein Forst mit sämtlichen Weinlagen verzeichnet ist.

Aus dem Lagenverzeichnis des VDNV 1926

Dieses Ziel wollte man auch durch die Einstufung der Wingerte und das Auszahlungssystem erreichen. Da die Hauptrebsorte der Silvaner war, bestand man im „gemischten Satz“ darauf, dass eine bestimmte Anzahl Riesling- oder Traminerstöcke mit gepflanzt wurde, wobei jede Neusetzung genehmigt werden musste. So wurden 1927 im Vorstandsprotokoll über 40 Wingerte mit dem vorgeschriebenen Rebsortensatz aufgeführt, beispielsweise „5. Klasse Rau Johannes bei 400 Stöck im Pflanzgarten 25 Stöck Traminer, Trillich Martin auf der Mirrhe bei 300 Stöck 20 Stöck Riesling, 2. Klasse Lukas Richard in der oberen Hayern bei 120 Stöck 30 Stöck Riesling, 1. Klasse Lucas Anton im Süßkopf bei 100 Stöck 25 Stöck Riesling“ usw.Pflanzte jemand mehr Riesling in den gemischten Satz, erhielt er einen Prozentzuschlag, z.B. „1.Klasse 8% über den Klassenpreis bei 150 Stöck Riesling pro ¼ Morgen“. Bei reinem Rieslinganbau erhöhte sich die Auszahlung bis zu 30%.

Dieses komplizierte System diente der Förderung der Qualität, führte aber in der Praxis häufig zu Beschwerden und erbittertem Streit mit handfesten Beleidigungen, sodass immer wieder Mitglieder gemahnt wurden, dem Wohl des Vereins nicht zu schaden. Wenn allerdings die Beleidigungen von außen kamen, stand man wie ein Mann zusammen, als beispielsweise zwei Herren aus Neustadt in der Wirtschaft „die Verwaltung des W.V. als eine Sippschaft hinstellten und den Wein als zusammengeschütteten Trub bezeichneten“. Mit Hilfe eines Rechtsbeistandes wurden die beiden gezwungen, ihre Aussagen zurückzunehmen und einen Beitrag in die Armenkasse zu zahlen.

Die Auszahlungen selbst richteten sich nach der Qualität des Jahrgangs und den wirtschaftlichen Verhältnissen, die Termine waren recht unregelmäßig verteilt. Grundsätzlich legte man für den neuen Jahrgang einen Logelpreis für jede der 5 Klassen fest. Davon wurde ein bestimmter Prozentsatz ausbezahlt. Die Höhe der Nachzahlungen hing ab vom Verkaufserlös und dem vorhandenen Bargeld; notfalls wurde ein Quantum Wein verkauft. So konnte von dem ausgezeichneten 1921er Flaschenwein noch 1925 verkauft werden und es reichte trotz Hauskauf für eine Auszahlung. Andererseits mussten in absatzschlechten oder frostgeschädigten Jahren Kredite aufgenommen werden, worüber noch zu berichten ist.

Feldarbeit und Schädlingsbekämpfung
Spritzgeräte für die Schädlingsbekämpfung

Was die Feldarbeit angeht, so war das Thema Schädlingsbekämpfung, vor allem des Sauerwurms, meist eine Sache der Generalversammlung. Zwischen den Zeilen der zahlreichen Protokolle erkennt man, wie die Winzer der Natur ausgeliefert waren und wie sie mit den damaligen Mitteln die Qualität der Trauben retten wollten. Einmal setzte man auf Nikotin, 3 Pfund auf 100 Liter Wasser, dann auf Schmierseife, 150 Gramm auf 100 Liter, manchmal auf die Kombination von beidem. Im nächsten Jahr wurde dann oft auf Empfehlung der Weinbauschule ein „Staubmittel“ ausprobiert, bis man wieder zum Nikotin zurückkehrte. Lediglich die Verwendung von Bleiarsen wurde durchweg verboten. Streng kontrollierte die Feldkommission die Einhaltung der beschlossenen Maßnahmen, auch an der Spritzlotte. Bei Zuwiderhandlung drohte Strafe bis zur Hälfte des Herbsterlöses. Dass sich der Erfolg der Schädlingsbekämpfung nicht immer einstellte, beweisen die jährlichen Appelle in der Herbstversammlung, unbedingt die sauerfaulen Trauben auszusortieren.
Eine weitere Maßnahme, das Ansehen des Vereins und seiner Weine zu erhöhen, war das Bemühen um Ankauf von Wingerten in den berühmten Forster Lagen. So hatte man schon früh einen Wingert im Jesuitengarten erstanden, von dem genaue Angaben über Neuanlage und Düngung mit Mist vorliegen. Bei Grundstücken im Kirchenstück und Ungeheuer liegt nur der Beschluss vor, bis zu einem bestimmten Preis mitzubieten, über einen erfolgten Kauf gibt es keine Aufzeichnungen. Die Bewirtschaftung der Vereinswingerte wurde jeweils einem Mitglied übertragen.

Forster Winzerverein eG
Weinstraße 57
67147 Forst

Fon: +49 6326 306
Fax: +49 6326 1391
E-Mail: info@forster-winzer.de

Öffnungszeiten Forster Winzerverein:
Montag - Freitag: 8.00 - 18.00 Uhr durchgehend
Samstag: 9.00 - 13.00 Uhr

Weinverkaufsstelle Marie Luise Doll in Forst:
Täglich, auch samstags, sonntags, feiertags und nach Geschäftsschluss