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Die Sechziger Jahre und das Jubiläum

Das Jahr 1960 brachte einen mengenmäßig großen Herbst, sodass die Einlagerung des Mostes Probleme bereitete. Kurzerhand schaffte man sich drei Schwimmbecken an, von denen man das größte mit 50.000 Liter Inhalt ins Kelterhaus stellte, die beiden kleineren mit je 20.000 Liter in den Saal. Allerdings  waren diese Becken sehr schwer zu entleeren und zu säubern. Auch konnte man den Wein mit Planen nur ungenügend unter Luftabschluss halten, was der Qualität abträglich war. Dafür hätte man buchstäblich im Wein schwimmen können. Die Schwimmbecken wurden später noch einmal verwendet, danach verliert sich ihre Spur.

Nun musste in die Ausstattung mit Maschinen und Fassraum weiter investiert werden. 1961 kaufte man eine halbautomatische Abfüllanlage von Seitz für 28.600 DM und konnte in der nächsten Generalversammlung berichten, dass sich der Flaschenweinverkauf verdoppelt hatte. Man setzte sich das Ziel, das Fassweingeschäft zu reduzieren. Zunächst hatte man aber 1961 mit einer geringen Ernte zu kämpfen und legte daher auch den Müller-Thurgau ein.

Neue Abfüllanlage

Die zunehmenden Einbrüche machten es erforderlich einen Tresor anzuschaffen, zumal der Winzerhof offen zugänglich war, weshalb man überlegte eine Schranke oder eine Kette anzubringen. Im nordöstlichen Teil des Hofes wollten die Pfalzwerke ein Trafohaus errichten. Dieses Vorhaben wurde nach langen Verhandlungen 1974 realisiert, weil man sich davon eine optimale Stromversorgung versprach. Man musste das Winzerhaus neu decken und die Flachdächer ausbessern. In den nächsten Jahren kaufte man eine Flaschenschwenkanlage und eine Imprägnierpumpe. Vor allem stellte man 1963 die Annahme des Lesegutes um: Wurde bisher Most abgeliefert, so mussten die Mitglieder jetzt ihre Trauben bringen, so dass die Kontrolle der Sorte und Qualität erleichtert wurde. Dazu schaffte man sich zwei Traubenmühlen an.

Da man auch in diesen Jahren bestrebt war, die Weinbergsfläche zu vergrößern, nahm man 1961 die Mußbacher Wingerte von Albert Eschmann und Martin Böhl an und ermöglichte 1964, dass Mitglieder Flächen aus der Verpachtung des Weingutes Heinemann-Lackner erhielten. 1966 vergab man die Vereinswingerte, die bisher im Lohnverfahren bewirtschaftet wurden, als sogenannte „Bauwingerte“ an interessierte Mitglieder.

Holzfasskeller unter dem Winzerhaus

Wegen der Flächenerweiterungen und weil der 1965er Herbst viel Ertrag brachte, stellte sich wieder das Problem der Lagerkapazität. So bestellte man für den Winzerhauskeller insgesamt 5 große Holzfässer zu je ca. 7.000 Liter bei der Küferei Dietz. Für den großen Keller kaufte man 4 Kunststofftanks mit zusammen 43.000 Liter und 7 Stahltanks mit zusammen 90.000 Liter Fassungsvermögen. Eine halbautomatische Etikettiermaschine und eine Kapselmaschine erleichterten das Flaschenfüllen. Eine zusätzliche Willmes-Presse für 24.500 DM und eine starke Druckluftanlage mit 2.500 Ltr-Kessel machten sich im Herbst 1965 bezahlt, „da es mit ihrer Hilfe möglich war, die Lese vor dem Schneefall zu beenden“. Ein Seitz-Filter mit 60 Platten für 16.300 DM war für den Keller nötig. Die größte Neuerung aber war die Umstellung der Herbstannahme auf Einheits-Stahlbehälter, von denen man 110 Stück von Fa. Grün aus Neustadt kaufte. Man konnte sie mit dem neuen Steinbock-Gabelstapler mit Treibgasanlage und Drehkranz auf die Fuhrwerke laden. Die Trauben wurden dann in den Behältern abgeladen, gemahlen, gewogen und mit dem Stapler auf die Keltern aufgeschüttet, was eine große Erleichterung und Zeitersparnis bedeutete.
In der Generalversammlung vom 01.03.1966 ergaben sich einige wesentliche Änderungen. Da der langjährige 1. Vorsitzende Herbert Lucas sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, wurde Josef Rau zum Nachfolger gewählt. Oswald Lukas wurde stellvertretender Vorsitzender, Martin Böhl blieb Beisitzer. Im Aufsichtsrat wurde Eugen Kölsch wieder und Josef Illig neu gewählt. Heinz Deimel war schon 1962 für den aus Altersgründen ausscheidenden Jakob Seckinger in den Aufsichtsrat gekommen. In der gleichen Versammlung wurde die Umstellung der Rechtsform der Genossenschaft vollzogen. War der W.V. bisher eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung, so wurde jetzt eine „beschränkte Haftung“ der Mitglieder beschlossen. Das Geschäftsanteil pro 25 Ar und damit die Haftsumme betrug 1.000 DM; die Höchstzahl der Geschäftsanteile wurde auf 20 festgesetzt.

Festschrift 50 Jahre Forster Winzerverein
Etikett aus den sechziger Jahren

1969 arbeitete man einen neuen Auszahlungsschlüssel aus, der jetzt vom Gesamtdurchschnitts- Gewicht ausging und in den einzelnen Klassen zwischen Rieslingwingert und gemischtem Satz unterschied. Wegen des Auszahlungsmodus und der Klasseneinstufung der Wingerte gab es auch in dieser Zeit Beschwerden, manchmal auch handfesten Streit: „Da der Vorsitzende aufgrund von Indiskretionen von einem Mitglied persönlich beleidigt wurde, kündigte er an, dass er in der nächsten Generalversammlung sein Amt niederlegen wolle.“ Darauf drohte ein weiteres Verwaltungsmitglied mit Rücktritt. Der Streit konnte aber nach einiger Zeit durch Entschuldigungen beigelegt werden. Trotzdem blieb das Thema Klasseneinteilung vor allem von auswärtigen Wingerten auf Jahre ein Streitpunkt. Man hatte allerdings dazugelernt und beschied künftig auswärtige Mitgliedsanträge meist abschlägig.

Neben der Einführung der Mehrwertsteuer brachte das Jahr 1968 ein wichtiges Ereignis: das 50-jährige Vereinsjubiläum. Zu diesem Anlass beschloss man „eine würdige und schlichte Jubiläumsfeier im Saal“, die am 01. Juni von den Mitgliedern, ihren Angehörigen und zahlreichen Ehrengästen begangen wurde. Dabei konnten noch 3 Gründungsmitglieder geehrt werden: Ida Wallbillich, Jakob Seckinger und Ida Illig. Man ließ einen Jubiläumsprospekt erstellen und stattete die Weinflaschen mit Halsschleifen aus, die auf das Jubiläum hinwiesen.
Die Gründungsmitglieder Ida Wallbillich, Jakob Seckinger und Ida Illig, Vorstand Josef Rau

Auch in der Wirtefrage gab es in den 60er Jahren einige Abwechslung: Herr Kuntz musste 1961 wegen Krankheit seinen Rücktritt einreichen. Zwar übernahm Frau Kuntz zunächst das Lokal, aber ein Jahr später musste auch sie vom Vertrag zurücktreten. Nach Ausschreibung meldeten sich mehrere Bewerber: „ Man hält es für zweckmäßig die derzeitigen Lokale der Bewerber unerkannt zu besuchen, um einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit zu erhalten.“ Trotz dieses persönlichen Einsatzes der Verwaltung wurde kein Wirt gefunden. Nach weiteren Inseraten und Besuchen entschied man sich für Herrn Hanika aus Mannheim, der am 15.04.1963 eröffnete. Er erhielt monatlich 90 DM Gehalt und 150 DM für Heizung und Licht, dazu 15% Weinprovision. Doch nach umfangreichen Renovierungsarbeiten in Lokal und Küche war man ein Jahr später wieder auf der Suche nach einem Wirt und konnte schließlich Herrn Dal Molin verpflichten.

Das Sälchen in der Gaststätte

Nun führte man auch die schon lange geforderte Umstellung der Kachelöfen in den Gaststuben von Koks auf Ölheizung durch. Mehrere Jahre versuchte der Wirt, der ja angestellt war, die Gaststätte zu pachten. Erst 1968 willigte man ein und gestattete erstmals den Verkauf von Flaschenbier. Trotz dieser Zugeständnisse kündigte Herr Dal Molin zum 01.04.1969 und die Suche begann wieder, zunächst mit Absagen und Enttäuschungen. So konnte der Nachfolger, für den man etliche Änderungen im Lokal vornahm, die Stelle wegen schwerer Erkrankung nicht antreten. Kurzfristig machte man mit Herrn Antonio Nicole einen Dreijahresvertrag zur Verpachtung der Gaststätte, den dieser auch erfüllte. Nach seiner Kündigung zum 30.09.1972 verpachtete man die Wirtschaft an Herrn Zink aus Ruppertsberg. Dieser ersuchte umgehend um Pachtermäßigung, was aber verweigert wurde. Um den schlechten Weinumsatz anzukurbeln, erhielten die Mitglieder Gutscheine zum Einlösen in der Gaststätte. Doch die Zahlungen für Pacht und gelieferten Wein gingen schleppend ein, so dass sich ein hoher Schuldbetrag anhäufte. Als Herr Zink zum 31.12.1973 kündigte, stand man wieder ohne Wirt da. In dieser Situation lesen wir im Protokoll: „Ein Herr Albrecht Meiser aus Neustadt, der zur Zeit in Winnenden wohnt, möchte unsere Gaststätte pachten“. Man erfüllte die zahlreichen Renovierungs- und Umbauwünsche und schloss mit Herrn Meiser einen Vertrag; die Pacht betrug im Sommer 700 DM und im Winter 500 DM monatlich. Damit war eine gute Bewirtschaftung des Lokals auf Jahre gesichert!

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