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Der Weg an die Spitze im neuen Jahrtausend

Abladesystem mit Einheitsbehältern
Traubenmühle und Abbeermaschine
gaerkeller

Im Bemühen um höhere Qualität des Lesegutes, auch bedingt durch den wegen Fäulnis belasteten Jahrgang 2000, beschloss die Verwaltung zu Beginn des Jahrzehnts weitere Investitionen. Die angelieferten Trauben wurden jetzt durch eine Abbeermaschine von Stielgerüst und Blättern befreit. Eine neue große Kelter für 135.000 DM ermöglichte die rasche Verarbeitung des Mostes. Vor allem wurden ab 2001 die Maischewagen verboten, die zwar zum Abladen der Trauben aus dem Vollernter praktisch waren, aber durch einen zusätzlichen Pumpvorgang meist mehr Trubstoffe erzeugten; außerdem war dadurch die Kontrolle der angelieferten Trauben sehr erschwert. Zum Transport der Trauben in die Genossenschaft wurden als Ersatz für die alten runden Stahlbütten 140 rechteckige Einheitsbehälter aus Kunststoff für 63.000 DM gekauft. Zusätzlich wurde eine Flotationsanlage zur schonenden Weinfiltration angeschafft. Parallel zu den Investitionen verschärfte die Verwaltung die Mengen-Faktoren-Tabelle für die flächenbezogenen Traubengeldauszahlungen und appellierte an die Mitglieder, stark tragende Wingerte auszudünnen, um die Menge zu reduzieren und die Qualität zu steigern. Außerdem informierte man sich über eine Bonitur, also eine Qualitätsbewertung der Weinberge.

Um für weitere Investitionen staatliche Zuschüsse zu erhalten, musste die Genossenschaft, die inzwischen 90 Hektar bewirtschaftete, als Erzeugergemeinschaft im Sinne des Marktstrukturgesetzes anerkannt werden. Die hierfür benötigte Mindestfläche von 100 Hektar erreichte man durch die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Als im Jahr 2002 die Anerkennung erfolgt war, konnte man die inzwischen dringend erforderlichen Baumaßnahmen in Angriff nehmen: Die Verlängerung der wenige Jahre zuvor fertiggestellten Abfüllhalle durch Überdachung des gesamten Innenhofes und die Errichtung eines Gärkellers über der östlich an den alten Saal anschließenden Betonplatte  für stehende Edelstahltanks mit ca. 300.000 Liter Volumen. Beide Gebäude wurden von Architekt Maul in isolierter Holzbauweise errichtet.

Tag der offenen Tür 2003

Östlich an den Gärkeller anschließend wurde eine Betonplatte gegossen und eine Wand zum Nachbargrundstück errichtet, um Platz für die vorhandenen 50.000 Liter-Tanks und weitere Gebinde zu schaffen. Diese Maßnahmen, die mit 30% bezuschusst wurden, belasteten die Genossenschaft mit über 600.000 € und das in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession, als die Weinpreise wieder einmal einen Tiefstand erreicht hatten. Jetzt bewährten sich die jahrelangen Bemühungen um den Ausbau des Flaschenweingeschäftes, der inzwischen bei fast 100% lag.  Nach Abschluss der Neubaumaßnahmen wurde 2003 wieder ein „Tag der offenen Tür“ gefeiert.

Gern hätte die Verwaltung jetzt die Neugestaltung des Probierzimmers und des vorderen Hofes in Angriff genommen. Doch angesichts der getätigten und im technischen Bereich noch anstehenden Investitionen entschloss man sich, wenigstens die Einfahrt in den Winzerhof von der Dorfstraße her zu verändern. Anstatt des bisher offenen Hofes errichtete man als Abgrenzung zur Straße eine Mauer mit Sandsteinsäulen, die zum denkmalgeschützten Winzerhaus passen, sowie ein großes schmiedeeisernes Tor. Dies sollte den Charakter eines Gutshofs unterstreichen und den Durchgangsverkehr reduzieren. Seit Jahrzehnten war alle Welt gewohnt, den Hof des F.W.V. als bequeme Verbindung zwischen Dorf- und Umgehungsstraße und als kostenlosen Parkplatz in der Dorfmitte zu benutzen. Weder Hinweisschilder noch Ketten und Absperrungen hatten daran etwas geändert. Die komplette Umgestaltung des Hofes konnte noch nicht in Angriff genommen werden. Es galt gleichzeitig noch ein weiteres Problem zu lösen, das fast zu einem Rechtsstreit geführt hätte: Die „Einfriedungsmauer“ zum benachbarten Weingut Lindenhof musste repariert werden, um wieder Frieden einkehren zu lassen.

Neue Einfahrt mit Hoftor

Die erste Hälfte dieses Jahrzehnts war trotz ungünstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen geprägt von stetiger Steigerung der Umsätze und Durchschnittserlöse. Zwar hatten die Winzer mehrfach mit Wetterkapriolen zu kämpfen – nach dem verregneten Herbst 2000 und einer guten Ernte 2001 waren im nächsten Jahr Frostschäden und 2003 erhebliche Trockenschäden zu verkraften. Doch Michael Kiefer, der ab 01.07.2001 für den ausscheidenden Theo Bassler 1. Kellermeister wurde und Herrn Griebe als Mitarbeiter mitbrachte, entwickelte aus den angelieferten Trauben hochwertige und vielfach prämierte Weinqualitäten. Diese Personalentscheidung kommentiert das Protokoll folgendermaßen: „Nach inzwischen vorgerückter Stunde war man froh, einen offensichtlich kompetenten und hochmotivierten Bewerber für diese Stelle gefunden zu haben.“

Frau Dr. Pioth mit der neuen Weinedition
Kennzeichnung der Wingerte
Edelstahl- Großgebinde im Gewölbekeller

Wie schon erwähnt, hatten schon unsere Vorfahren alles daran gesetzt, dass der F.W.V. dem Prädikat „Forst mit den besten Weinlagen der Pfalz“ gerecht wurde: durch Kauf oder Zupachtung von Weinbergen in eben diesen Spitzenlagen, die früher großteils in den Händen bekannter Weingüter waren. Nach der Zupachtung des Weingutes „Mossbacherhof“ kurz vor der Jahrtausendwende wurde 2004 eine weitere Flächen- Ausdehnung in die besten Lagen von Forst angebahnt: Den Bemühungen von Ernst Lucas und Dietmar Bonn ist es zu verdanken, dass Frau Dr. Pioth ca. 12 Hektar Weinberge ihres ehemaliges Weingutes dem F.W.V. verpachtete. Auf ihren Wunsch wurden diese stattlichen Wingerte mit Pfosten gekennzeichnet, die das Wappen der Familie Pioth tragen. Die Trauben wurden erstmals 2007 abgeliefert und erlauben es hoffentlich, dass unsere Kunden gerade mit den oft früh ausverkauften Spitzenqualitäten bedient werden können.

Im Hinblick auf die Vergrößerung der Weinbergsfläche begann die Verwaltung mit der Planung weiteren Fassraums. Es gab nur zwei Alternativen, entweder die rationelle Bestückung der nicht überdachten Betonplatte mit hohen Rundtanks oder die Belegung des großen Kellers unter der Gaststätte mit Koffertanks. Dazu mussten die „ehrwürdigen“ Holzfässer, die den Charakter dieses Kellers geprägt hatten, aufgegeben werden, was nicht jedem Verwaltungsmitglied leicht fiel. Allerdings entsprachen die meisten dieser weit über 40 Jahre alten Fässer nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Weinausbau. Vor allem gab den Ausschlag, dass die Belegung dieses Kellers mit an das Gewölbe angepassten Edelstahlgebinden das Raumproblem auf Jahre hinaus lösen würde und kellertechnisch viel günstiger war als die Bestückung der im Außenbereich liegenden Betonplatte. Nachdem ein Antrag auf Investitionszuschuss gestellt war, nahm man ab Frühjahr 2007 die Renovierung des Gewölbekellers in Angriff mit Betonboden, neuem Verputz, neuen Elektro- und Versorgungsleitungen. Aus Kostengründen wurde zunächst nur eine Längsseite mit Koffertanks belegt, was immerhin eine Kapazität von 150.000 Liter ergab.
Edelstahl- Großgebinde im Gewölbekeller

Diese Maßnahme kostete einschließlich verschiedener kellertechnischer Geräte ca. 300.000 € und war glücklicherweise vor dem Rekordherbst 2007 abgeschlossen. Inzwischen wurde auch die Abfüllstraße neu konzipiert, ergänzt und optimal eingerichtet, nachdem sie wegen der Neubeschichtung der Abfüllhalle auf Gewährleistung komplett abgebaut war. Gleichzeitig wurden der Elektro- Hauptanschluss und die Hauptverteilung den höheren Leistungsanforderungen angepasst.

Neue Abfüllanlage

Durch diese unbedingt notwendigen Investitionen konnte aber ein anderes Vorhaben noch nicht verwirklicht werden: Seit vielen Jahren hatte die Verwaltung den Wunsch, den in die Jahre gekommenen Probierraum und den vorderen Hof neu zu gestalten. Entsprechende Vorplanungen erwiesen sich aber als zu teuer. Mit viel Zeitaufwand wurden verschiedene Varianten durchgespielt und wieder verworfen. Schließlich musste Ende 2006 die inzwischen defekte Kühltheke im Verkaufsraum erneuert werden, woraus sich eine Eigendynamik entwickelte: Schaukasten, Tür und Fenster wurden durch raumhohe Glaselemente ersetzt, eine Zwischenwand entfernt und in den vergrößerten Eingangsbereich eine geräumige Theke installiert. Damit gewann der Verkaufsraum an Größe und Helligkeit. Nun wollte man das inzwischen abgerissene alte Vordach ersetzen, hatte aber nicht mit der mittleren und oberen Denkmalbehörde gerechnet. Nach halbjähriger Planung und immer neuen statischen Problemen während der vier Monate dauernden Bauzeit präsentiert sich der Eingangsbereich mit „filigranem“ Glasdach, neuem Verputz und hohen Glaselementen in neuem Glanz, aber „nicht das denkmalgeschützte Ensemble dominierend“, eine Hauptforderung der Denkmalbehörde. Eine spätere Neugestaltung des Hofes und eine Außenrenovierung des Winzerhauses dürfte den Eingangsbereich weiter aufwerten.

Abschließend seien noch einige personelle Veränderungen erwähnt. Neben dem  schon erwähnten Wechsel im Amt des 1. Kellermeisters 2001 und der Einstellung von Frau Pia Raff als Buchhalterin gab es in der Verwaltung einige Änderungen: Der stellvertretende Vorsitzende Günter Krack schied 2005 aus Altersgründen aus. Im gleichen Jahr wurde Gunther Mayer in den Aufsichtsrat gewählt. Auch zwei Ehrungen mit Überreichung der Ehrennadel des Genossenschaftsverbands sind aus dieser Zeit zu vermelden: Der Ehrenvorsitzende Heinz Deimel wurde für über 40- jährige Tätigkeit in der Verwaltung und Werner Lucas für 25- jährige Arbeit im Aufsichtsrat ausgezeichnet. Als 2006 Heinz Lietz nach 20- jähriger Tätigkeit im Aufsichtsrat aus Altersgründen ausschied, wählte die Generalversammlung Peter Mosbacher, der 2003 aus persönlichen Gründen den Aufsichtsrat verlassen hatte, wieder in dieses Amt. 2007 übernahm Andreas Wenser das Amt des 1. Vorsitzenden von Ernst Lucas, der darauf zum 2. Vorsitzenden gewählt wurde.

2008 scheidet der langjährige Vorstand, Aufsichtsrat und Ehrenvorsitzende Heinz Deimel, der wie kaum ein anderer in 46- jähriger Tätigkeit den F.W.V. mitgestaltet und geprägt hat, aus Altersgründen aus. Wieder einmal in der 90- jährigen Geschichte des Vereins vollzieht sich also ein Generationswechsel und es ist zu wünschen, dass genügend junge Winzer den Fortbestand und die Weiterentwicklung unseres Betriebes sichern und so dem Erbe der Vorfahren gerecht werden. Nicht ohne Stolz darf man feststellen, dass Geschäftsführung, Verwaltung und Belegschaft den Forster Winzerverein in den letzten Jahrzehnten in gemeinsamer Anstrengung weit nach vorne gebracht haben, was zahlreiche hohe Auszeichnungen beweisen.

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