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Nach dem Krieg

Verständlicherweise gibt es aus dem 1. Halbjahr 1945 kaum Aufzeichnungen, nur der Tod des Vereinsvorstehers Richard Lukas II. im Februar und die Wahl von Franz Eschmann I. zum Nachfolger wurden vermerkt. Die Bombardierung vieler Weinstraßenorte am 09. bzw. am 18. März überstand Forst unbeschädigt, die Bomben fielen unterhalb des Bahndammes. Am 21. März rückten amerikanische Truppen von Wachenheim her kampflos in Forst ein. Die Besatzungszeit begann, zunächst unter den Amerikanern, ab Juli übernahmen französische Truppen das linksrheinische Gebiet.

Über das Verhalten der Sieger geben mehrere Sitzungsprotokolle Anhaltspunkte. So wurde bei der ersten Bestandsaufnahme vermerkt: „Das Inventar ist nicht mehr alles vorhanden und ist durch die Kriegswirkung vieles beschädigt. Auch wurde durch die Besatzung vieles geraubt und geplündert und verschleppt.“ Auch die Herbstversammlung konnte „infolge der Beschlagnahme der ganzen Wirtschaftsräume durch die Besatzungsbehörde nicht stattfinden“. Allerdings wurde das Gasthaus im Oktober „nach einem Vierteljahr Besatzung wieder geräumt“. Bei der nächsten Bestandsaufnahme wurde festgestellt: „Eine große Anzahl Stühle sind zerbrochen und reparaturbedürftig, auch Tische lagern viele zerbrochene auf dem Speicher, welche von der französischen Besatzungsmacht mutwillig zerstört wurden und wurde ungeheuer viel mitgenommen und kaputt gemacht.“ Außerdem war ein Teil des Weinvorrats beschlagnahmt worden und wurde „in Händlerkeller umgelagert“.

Ab 1947 begann man wieder die ersten Feste im Saal zu feiern, meist in eigener Regie. Als im August 1948 das 30-jährige Gründungsfest begangen wurde, gab es „weiße Brötchen mit Würstchen sowie Bratwürste zur unentgeltlichen Abgabe welche aus der bayerischen Gegend kommen. Jedes Mitglied erhält 6 halbe Schoppen und die Angehörigen die Hälfte. Außerdem wird zwischendurch der beste 1945er und 1937er verabreicht.“ Immer wieder wurde der Saal vermietet, z.B. fand der Feuerwehrball hier statt oder das 100-jährige Jubiläum des Weingutes Buhl. Stück für Stück wurden die Gaststätte und der Saal renoviert und 1950 ein „Damenklosett für die Wirtschaft“ gebaut. Bald darauf ließ man das Gemäldezimmer ausbessern und die Mauern der Außenanlage absichern. Die Firma Hans Mosbacher lieferte 2 große Leuchten für die Hoftorpfeiler.

Garten beim Saal

Den größten Raum in den Protokollen nahm allerdings das ewige Thema Wirt ein. Es wurde schon erwähnt, dass Herrn Monschein 1946 gekündigt wurde. Zwar wurde im folgenden Jahr nochmals mit ihm verhandelt, vor allem über die Höhe der Mietzahlungen. Da der Wirt aber anscheinend nicht zahlte und auch nicht zu den Ausspracheterminen erschien, erhielt er ab 1948 keinen Wein mehr und seine Entlassung wurde beschlossen. Monschein legte dagegen und gegen die Rückforderung des kleinen Kellers Widerspruch ein. Derweil fanden im Hof und im Saaleingang sonntags so genannte „Besprechungen“ statt, bei denen die Mitglieder gegen Kupon Wein erhielten.

Mitte 1948 schrieb man die Wirtsstelle neu aus und erhielt über 50 Bewerbungen. Herr Kuntz aus Bad Dürkheim wurde ausgewählt und ein Vertrag durch den Verband ausgefertigt. Am 02.10.1948 wurde „die Ausschank“ feierlich eröffnet mit einem offenen Wein zu 1,40 DM und 4 Flaschenweinen. Ein Tanzabend im Saal schloss sich an. Der Wirt erhielt einen jährlichen Zuschuss von 1.200 DM für Brand, Eis usw. Da Familie Monschein aber immer noch die Wohnung im Gasthaus belegte, wurde eine Räumungsklage angestrengt, allerdings ohne Erfolg. 1950 versuchte man mit einem neuen Rechtsanwalt ein „Räumungsurteil“ zu erreichen. Doch auf Anweisung des Landrats musste der W.V. eine Wohnung für die unerwünschten Mieter besorgen. Daraufhin kaufte man eine „Baracke“ für 2.000 DM, die man im Garten aufstellte. Anscheinend wurde das Mieterproblem so gelöst, denn es gibt darüber keine weiteren Aufzeichnungen. Im gleichen Jahr stellte man die renovierte Gaststätte der Presse vor, mit Essen und einer Weinprobe. In den nächsten beiden Jahren kaufte man noch eine Radioanlage von Rudolf Werle, einen neuen Küchenherd von Heinrich Braun und ein Klavier. Nachdem der neue Wirt durchweg gelobt wurde, war dieses Thema für Jahre erledigt.

Der Winzerhof mit dem Maulbeerbaum

In der Verwaltung und beim Personal gab es 1945/46 einige Neuerungen, danach änderte sich bis 1952 wenig: Ende 1945 wurde Herr Berberich als neuer Kellermeister angestellt. Da 1946 der Vorstandsvorsitzende Franz Eschmann verstarb, wurde Heinrich Lucas zum Nachfolger gewählt, Otto Hammerstein war Stellvertreter und Johannes Rau Beisitzer. In den Aufsichtsrat wurde Oswald Lukas gewählt, Vorsitzender war Jakob Seckinger und Josef Doll Beisitzer. In diese Zeit fiel auch die Währungsreform, die notwendig geworden war, weil wegen des Krieges die Reichsmark stark an Wert verloren hatte und der Tauschhandel blühte. Neben Zigaretten und Grundnahrungsmitteln war auch Wein ein wichtiges Tauschobjekt. Das Geschäftsjahr des W.V. schloss mit dem 21.06.1948 in Reichsmark: „Ab 21.06. läuft alles in DM.“ In der nun zu erstellenden Eröffnungsbilanz war ein Geschäftsguthaben von 300 RM noch 60 DM wert. Da das Geschäftsanteil aber auf 300 DM festgesetzt wurde, mussten die Mitglieder wieder kräftig einzahlen. 1949 beschloss man für jedes Verwaltungsmitglied das „Weinblatt, Fachzeitung des Meininger-Verlages“ zu abonnieren.

Zur Qualitätssteigerung und im Bemühen um mehr Gerechtigkeit begann man 1951 bei den Auszahlungen die Oechslegrade zu berücksichtigen. Man bildete das Durchschnitts-Mostgewicht jeder Klasse. Bei höherem Mostgewicht zahlte man pro Oechslegrad 1% mehr, bei geringerem Gewicht entsprechend weniger. Die 5 Klassen der Weinlagen erweiterte man um die „a-Klasse“ mit Fleckinger, Langenböhl, Elster, Weißling, Pechstein, Mühlweg, Langenacker, Gerling und Neunmorgen. Die „aa-Klasse“, später B-Klasse genannt, umfasste Kirchenstück, Jesuitengarten, Ungeheuer und Ziegler. Probleme hatte die Verwaltung in diesen Jahren mit dem Revisor des Genossenschafts-Verbands, der jede Kleinigkeit beanstandete und seitenlange Stellungnahmen forderte, sodass man den Verband bat einen anderen Prüfer zu schicken.

Die vom Winzerverein gestiftete große Glocke
Glockenweihe durch Bischof Dr. Wendel

Da die Forster Glocken im Krieg wieder abtransportiert worden waren, sammelte man 1949 für ein neues Geläut. Die Generalversammlung des W.V. beschloss die größte Glocke zu stiften. Diese hat ein Gewicht von 1000 kg und trägt folgende Inschrift:
      St. Cyriakus schütz die Flur,
       Schenk uns des Weines Gaben.
       Nicht des Leibs Begehren nur,
 Auch den Geist sie sollen laben.
St. Cyriakus, bitte für uns!
Meister Hermann Hamm goß mich im hl. Jahr 1950
Gestiftet vom Winzerverein Forst.
Am Ostermontag 1950 wurden die Glocken vom Bischof von Speyer, Dr. Wendel, eingeweiht.

Forster Winzerverein eG
Weinstraße 57
67147 Forst

Fon: +49 6326 306
Fax: +49 6326 1391
E-Mail: info@forster-winzer.de

Öffnungszeiten Forster Winzerverein:
Montag - Freitag: 8.00 - 18.00 Uhr durchgehend
Samstag: 9.00 - 13.00 Uhr

Weinverkaufsstelle Marie Luise Doll in Forst:
Täglich, auch samstags, sonntags, feiertags und nach Geschäftsschluss