auszeichnung.jpg

Die Fünfziger Jahre und das neue Betriebsgebäude

Einiges ist auch in den Jahren nach 1950 über die Arbeit im Weinberg zu berichten. Der Kampf gegen die Reblaus trat wieder einmal in den Vordergrund, als dieser Schädling in der Südpfalz großflächig aufgetreten war. Man führte eine Lehrfahrt in das verseuchte Gebiet durch, Herr Gutsinspektor Mehling hielt im Saal einen Vortrag über die gegen die Reblaus resistenten  Pfropfreben. Eine neue Setzordnung wurde erlassen, die von einer Feldkommission überprüft wurde. Außerdem sah man sich nach einem geeigneten Feld für einen Rebmuttergarten für amerikanische Unterlagsreben um. 1951 wurde die einheitliche Kennzeichnung der Weinberge durch grün markierte Pfähle mit eingebrannter Mitgliedsnummer durchgeführt. Ende August 1952 vernichtete ein Hagelschlag über die Hälfte der Ernte; mit einer früh beginnenden Lese versuchte man den Rest der Trauben vor der Fäulnis zu retten. Als im Frühjahr 1953 starke Frostschäden auftraten, war wieder eine geringe Ernte zu erwarten.

Im Bemühen um hohe Weinqualität wurden 1954 strenge Vorschriften über Rebschnitt und Bearbeitung der Weinberge erlassen. Für die Spritzungen empfahl man „ein neutrales Kupfermittel“, gegen die Stielfäule Schmierseife, 80g pro 100 Liter. Den Sauerwurm bekämpfte man jetzt mit E 605 oder Gesarol. Die Mitglieder wurden immer wieder auf das neue Auszahlungssystem hingewiesen, das die Oechslegrade berücksichtigte. Moste unter 70° baute man getrennt aus und bezahlte sie nach dem geringeren Erlös. Man bemühte sich weitere Weinbergsflächen in den besten Lagen zu erwerben und pachtete Wingerte im Kirchenstück, Satz und Ziegler von Frau Lyck. 1956 erwarb man einen großen Wingert im Ungeheuer von Herrn Dr. Spindler, Zürich, zum Preis von 19.950 DM. In diesen Jahren schwelte auch der Streit um die Lage Forster Jesuitengarten, da die Fa. Bassermann auf ihren Etiketten sich als alleinigen Besitzer dieser Lage ausgab. „Gegen diese zu Unrecht führende Eigenmächtigkeit wird Stellung genommen unter Bezug auf den Gemeinderatsbeschluss vom 06.April 1900.“ Einen Rechtsstreit in dieser Sache gewann die Gemeinde Forst.

Moderne Wilmes Kelter 1954

In Betrieb und Keller investierte man nach Bedarf. So wurde 1954 eine moderne Willmes-Presse von Fa. Scharfenberger mit 100 Logel Fassungsvermögen gekauft; die alten Keltern wurden verschrottet. Als 1955 eine große Ernte zu erwarten war, mietete man zum Schulkeller noch Kellerraum bei Spindler und Eschmann Oskar. Ein Teil des verbesserten Weines wurde an die Hauptkellerei Mussbach abgegeben. Ende der 50er Jahre kaufte man ein Flascheneinweichrad, 3 Stahl-Drucktanks und einen Westfalia Separator für 25.600 DM. Gleichzeitig lagerte man zunächst probeweise die ersten Müller-Thurgau Weine ein.

Beim Personal und in der Verwaltung gab es auch mehrere Änderungen. 1952 wurde auf Betreiben des Verbandes der gesamte Vorstand neu gewählt. 1. Vorsitzender war jetzt Herbert Lucas, Stellvertreter Josef Rau und Beisitzer Martin Böhl. Aufsichtsratsvorsitzender war Jakob Seckinger, die Beisitzer Oswald Lukas und Josef Doll wurden wiedergewählt. Gerade an dem Tag, an dem der vernichtende Hagelschlag Ende August 1952 niederging, gönnte sich die Verwaltung mit dem Auto des neuen Vorsitzenden einen Ausflug. Man kann sich den Stimmungsumschwung vorstellen, als man bei der Rückkehr die zerschlagenen Wingerte sah!

Kellermeister Berberich war ab 1955 immer wieder lange krank. Daher stellte man den Küfermeister Friedrich Wahl, der schon früher hier gearbeitet hatte, 1958 als zweiten Kellermeister ein. Nach dem Ausscheiden von Herrn Berberich aus Gesundheitsgründen 1959 wurde Herr Ankermüller aus Bingen Kellermeister. Nach dessen baldigem Weggang wurde „Friedel“ Wahl ab Januar 1961 Kellermeister. Die Arbeitszeit im Betrieb betrug übrigens 1958 wöchentlich 48 Stunden, ab 1959 wurde die 5-Tage-Woche mit je 9 Stunden eingeführt. Ein Samstags-Bereitschaftsdienst wurde bald eingestellt, da man dafür keinen Bedarf sah. Heinz Lucas, Sohn des langjährigen Rechners Robert Lucas, hatte eine kaufmännische Lehre im Betrieb absolviert und war zunächst als Angestellter tätig, bis er nach dem Ausscheiden seines Vaters ab 01.04.1957 Geschäftsführer des W.V. wurde.

Einer der beliebten Vereinsausflüge

Damals wurde der jährliche Ausflug zu einem Höhepunkt im Vereinsleben, einmal weil die meisten Mitglieder keinen Urlaub kannten und zum anderen wegen des Gemeinschafts- Erlebnisses. Betriebsangehörige und Verwaltung hatten freie Fahrt und 10 DM Tagesgeld, die Angehörigen beteiligten sich am Fahrtpreis. Die Winzer waren durchweg arm und konnten mit ihren kleinen Betriebsflächen nur überleben, weil sie Selbstversorger waren. Doch wenn Frost oder Hagel die Arbeit des Jahres zunichte machten, fehlte das Geld an allen Ecken. Wenn dann das Finanzamt wegen früherer Ernten Nachforderungen stellte, war der Gerichtsvollzieher kein seltener Gast. Wer Milch verkaufen oder ein Schwein oder Rind schlachten und das Fleisch „über die Straße“ verkaufen konnte, hatte wenigstens etwas Geld. Ab 1953 häuften sich in den Protokollen die Bitten um Vorschuss auf künftige Auszahlungen, sodass man z.B. 1956 beschloss: „Auf die bevorstehende Auszahlung können die Mitglieder bis zu ¼ des auszuzahlenden Betrages bevorschusst werden.“

Größtes Projekt der 50er Jahre war der Bau des neuen Betriebsgebäudes, weil die Platzverhältnisse immer enger wurden. Schon 1953 hatte der Verbandsprüfer geraten, einen notwendigen Neubau nicht aufzuschieben, „da die Finanzlage als gesund anzusehen sei“. Doch man zögerte, auch weil eine Kreditzusage über 37.500 DM als zu gering betrachtet wurde. Der Mangel an Fassraum im großen Herbst 1955 dürfte mit dazu beigetragen haben, dass man das Projekt jetzt anging und den Architekten Reinhardt aus Speyer beauftragte. Nach ersten Probebohrungen wegen des Grundwassers wurden die Pläne im März 1957 im Saal zur Begutachtung ausgestellt. Gleichzeit musste man sich über die Traubenannahme klar werden und entschloss sich nach mehreren Informationsfahrten für eine Beförderung der Maische von der in einem Trichter liegenden Maischepumpe über Rohrleitungen in die Keltern.

1957 Aushub des neuen Kellers

Am 24.03.1957 genehmigte die Generalversammlung den „Neubau eines Kellers und der dazu gehörenden Betriebsräume bis zu einer Bausumme von 300.000 DM“. Dafür wurde das Geschäftsanteil von 300 auf 1.000 DM erhöht, um zusammen mit einem gestaffelten Eintrittsgeld die Eigenmittel zu erhöhen. Zügig wurden die Aufträge vergeben: Keller und Rohbau Fa. Gärtner, Mannheim 141.300 DM, Aufzug 17.100 DM, Heizung 7.900 DM, Dachdecker 11.000 DM, Schlosser und Spengler 6.400 DM usw. „Den Zuschlag für die Elektroinstallation erhält Herr Mosbacher, da er seinen Preis reduziert hat und sich verpflichtet, provisorische Leitungen umsonst zu legen und das alte Material zu verarbeiten.“  Allerdings geriet der Bau ins Stocken, weil die Grundwassermenge erheblich größer war als nach den Probebohrungen zu erwarten war. Daher wurden die Fundamente verbreitert und der Grundwasserspiegel abgesenkt. Jedenfalls konnte man protokollieren: „Wenn der Zimmermann bis zum Freitag, den 30.08. das Gebälk fertiggestellt hat, soll abends um 18 Uhr das Richtfest stattfinden.“

Nach dem Herbst wurde der Hof mit Bauschutt, den man über ein Rheinpfalz-Inserat erhielt, aufgefüllt und von Mitgliedern eingeebnet, die Stunde für 1,50 DM. 1958 wurden im östlichen Teil des neuen Kellers Zementfässer für 29.600 DM eingebaut und der Hof von Firma Schwab für 19.000 DM asphaltiert. Auch nach dieser Baumaßnahme musste weiter investiert werden: Das Saaldach wurde mehrmals abgedichtet und die Gaststätte renoviert einschließlich Parkettabschleifen und Erneuerung der Bestuhlung. Eine Fleischkühlanlage für die Wirtschaft und ein Kühlschrank für Weinproben im Verkaufsbüro wurden angeschafft.

Forster Winzerverein eG
Weinstraße 57
67147 Forst

Fon: +49 6326 306
Fax: +49 6326 1391
E-Mail: info@forster-winzer.de

Öffnungszeiten Forster Winzerverein:
Montag - Freitag: 8.00 - 18.00 Uhr durchgehend
Samstag: 9.00 - 13.00 Uhr

Weinverkaufsstelle Marie Luise Doll in Forst:
Täglich, auch samstags, sonntags, feiertags und nach Geschäftsschluss