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Entwicklung im Dritten Reich

Der politische Wandel, der sich mit der Machtergreifung Hitlers Anfang 1933 in Deutschland vollzog, wirkte sich zunächst nicht auf das Leben der Winzer und den Verein aus. Die finanzielle Lage war weiter schlecht und der Weinabsatz schleppend; an Kirchweih wurden wieder Gutscheine für den Kerweschoppen ausgegeben. „Infolge Arbeitsmangel werden die Küfer auf einige Zeit arbeitslos und werden deshalb dem Arbeitsamt gemeldet.“ Zudem waren die Herbstaussichten auf den 1933er schlecht. Investitionen wurden zurückgestellt, dafür das Obst im Garten versteigert – als bescheidene Einnahmequelle. Wenigstens einen Waggon Mist für die Düngung von Kirchenstück und Jesuitengarten konnte man sich leisten. Ebenso wurde die Gaststätte neu gestrichen, da die alte Frau Werle verstorben war und jetzt alle Zimmer genutzt werden konnten.

Postkarte für Werbezwecke in den dreißiger Jahren

Mit dem sehr reichlichen Herbst 1934 deutet sich eine Besserung der Lage an. Schon im Spätsommer wurden neue Fässer angeschafft und dann wegen weiterer Fasslieferungen der Herbstbeginn verschoben. Ab dem Frühjahr 1935 verbessserte sich der Weinabsatz, vor allem im Flaschenweinbereich, sodass die Ertragslage als gut dargestellt wurde. Auch 1935 war man mit dem Herbstergebnis zufrieden, vor allem aber sorgte der 1937er Jahrhundertwein für einen weiteren Aufschwung; in den Protokollen häuften sich die Erfolgsmeldungen. Der Flaschenweinverkauf zog stark an, sodass man eine große Menge Flaschen und Steigen orderte. „Es blüht besonders der Kleinverkauf, der die Geschäftsführung mit Überarbeit belastet. Der Rechner muss morgens früher und abends länger arbeiten und könnte noch mehr verkauft werden.“ So billigte man dem Rechner eine Gehaltserhöhung zu und bedachte auch die Belegschaft mit Weihnachtsgeschenken. Man hatte auch wieder Geld für Anschaffungen wie ein Klavier für den Saal, einen Entkeimungsfilter und eine größere Kelter. Die Wirtschaft wurde renoviert und die Küche vergrößert. Man bemühte sich um Zupachtung von Wingertsflächen im Ungeheuer und Ziegler. Sogar einen Ausflug an die Mosel leistete man sich.

Auch damals gab es immer wieder Probleme mit unzufriedenen Mitgliedern wegen Auszahlung, Klasseneinstufung oder Prozentzuschlag. Im folgenden Fall – es ging um die Einstufung in die 1. Klasse – scheute man nicht den letzten Schritt, die Ausstoßung aus der Genossenschaft. „Durch die fortreichende Verleumdung und ekelhafte Verhetzung des Mitglieds K. muss hier zugegriffen werden, und muß die Ausschließung unbedingt erfolgen. K. belästigt fortwährend die Verwaltungsmitglieder in gemeinster Weise.“

Forster Winzer einziger Lieferant für die Stadt Speyer

Die positive Entwicklung des Weinabsatzes und des W.V. hatte auch mit der politischen Lage im Reich zu tun; die Arbeitslosigkeit ging zurück, allerdings auch durch Zwangsverpflichtungen. Großprojekte wie Autobahnen und Prachtbauten sowie die Stärkung der Schwerindustrie durch die Rüstung schufen Arbeit und bescheidenen Wohlstand. Der für die Pfalz zuständige Gauleiter, selbst Weinliebhaber, eröffnete 1935 die Deutsche Weinstraße. Der Landesbauernführer regte die Gründung einer Absatzgenossenschaft an, die z.B. in Goslar den Pfälzer Wein bekannt machte: „Da wir als Mittelhaardter Winzergenossenschaft im Herzen des Qualitätsweinbaugebietes nicht am dortigen Platze zurückstehen wollen, wird der Beitritt beschlossen.“ Förderlich waren auch die „Weinpatenschaften“ zwischen pfälzischen Weinorten und Städten im Reich: „In diesem Jahre wurde unsere Genossenschaft mit größeren Aufträgen für die Weinwerbewoche bedacht. Ganz besonders hat die Stadt Speyer die Genossenschaft als einzigen Lieferant.“ Zum Fest der Traube wurde am 20.09.1936 der Domnapf mit Wein vom Forster Winzerverein gefüllt und die Mitglieder fuhren mit mehreren Omnibussen nach Speyer „und ist dieses eine besondere Reklame und eine historische Erinnerung, und dieses eine große Ehre für den Forster Winzerverein bedeutet“.
Auch in finanzieller Hinsicht spürte man die neue politische Situation. Schon Ende 1933, als die Bilanz einen Verlust von 62.000 RM aufwies, erhielt der W.V. über die Reichsgenossenschaftshilfe einen Zuschuss von 32.200 RM, allerdings unter der Bedingung, dass die Geschäftsanteile von 100 RM auf 300 RM erhöht wurden. Ein Jahr später trat der W.V. der vom Gauleiter ins Leben gerufenen Volksselbsthilfe bei, die beispielsweise das pfälzische Siedlungswerk finanzierte. Im gleichen Jahr bekam der W.V. einen Kredit von 50.000 RM von der Zentralgenossenschaftskasse. Die Löhne der Mitarbeiter wurden jetzt von der deutschen Arbeitsfront kontrolliert; der Beitritt zur Berufsgenossenschaft wurde verpflichtend.

Ende 1934 wurde auch auf Betreiben des Verbandes die gesamte Verwaltung umgebildet; Gründe dafür sind nicht angegeben. Richard Lukas II. wurde 1. Vorsitzender, Emil Lukas Stellvertreter und Peter Tremmel Beisitzer. Der Aufsichtsrat wurde von 6 auf 3 Personen reduziert. Dessen Vorsitzender wurde Heinrich Lukas, Stellvertreter Heinrich Schmitt und Jakob Seckinger Beisitzer. Ab 1937 erhielt der Verein das neue Einheitsstatut und danach eine neue Geschäftsordnung und neue Dienstanweisungen. Nachdem Adam Wolfert, der lange Jahre die Kelleraufsicht innehatte, Ende 1937 verstorben war, wurde Wilhelm Fromlet aus Forst zum Kellermeister gewählt.

Ab 1938 verbindliche Satzung des Forster Winzervereins

Allmählich verstärkten sich die Eingriffe des Staates. So beschloss 1937 die Verwaltung auf Druck des Verbandes, „für alle Zeit die Juden bei jedem Geschäftsverkehr auszuschließen. Dieser Beschluss wird dem Verbande und der Kreisleitung der N.S.D.A.P. in Neustadt mitgeteilt“. In der Generalversammlung vom 04.12.1938 spielte sich dann ein Vorgang ab, der den Charakter der politischen Verhältnisse beleuchtet: Nach der Wiederwahl des Vorsitzenden Richard Lukas II schied der erst vor einem halben Jahr für Heinrich Schmitt gewählte Otto Hammerstein aus dem Aufsichtsrat aus. „Dieser konnte aber infolge seines politischen Verhaltens vom anwesenden Ortsgruppenleiter nicht in seinem Amt belassen bleiben, und wurde auf Vorschlag des Ortsgruppenleiters ein Parteimitglied gewählt bzw. bestimmt“.

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