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Das eigene Winzerhaus 1926

 

Das Winzerhaus, eines der eindrucksvollsten Gebäude in Forst

Schon während des geschilderten Rechtsstreits reifte der Entschluss, ein eigenes Betriebsgebäude zu errichten. Daher bemühte man sich, von Frau Reichsrat von Buhl Baugelände „in der Deidesheimer Straße… im Oberen Elster“ zu erwerben, was aber nicht gelang. Durch Vermittlung von Herrn Mehling verhandelte man nun  mit der Bürklinschen Gutsverwaltung und erhielt die Nachricht, „dass uns der Bauplatz in der Deidesheimer Straße gesichert ist“. Die Generalversammlung im März 1924 genehmigte das Vorhaben mit Kelterhaus, Keller für 300 Stück (entspricht je 1.200 Ltr), Tankraum und Halle sowie Winzerhaus mit Saal. Schnell wurde der Bauplatz vermessen und der Mutterboden aufgeteilt. Gleichzeitig reichte man die Vorplanungen an die Behörden ein und entschied sich für einen Architekten aus Ludwigshafen. Doch in der Rezession, die auf die Inflation folgte, brach das Weingeschäft ein. Mehrfach wurden Versteigerungen abgesagt bzw. hatten wenig Erfolg: „Da die Weinkonjunktur einen großen Rückgang erfahren hat, sieht es für den Winzer- Bau bedenklich aus.“ Jedenfalls forderte der Architekt schon mal eine Anzahlung von 1.000 Mark, von denen aber aus Geldmangel nur 500 Mark bezahlt wurden.

Die Protokolle berichten für das weitere Jahr 1924 von zahlungsunwilligen Kunden und von schleppend verlaufenen Versteigerungen, aber auch von zahlreichen Bemühungen den Weinabsatz anzukurbeln. Erst im Frühjahr 1925 besserte sich die finanzielle Situation und der Architekt wurde beauftragt, die Baupläne anzufertigen. Vom letzten Versteigerungserlös wurden 30.000 Mark zurück gelegt und ein Gesuch an die Gemeinde um ein Darlehen von 20.000 Mark gerichtet. Weitere Gesuche wurden an das Bezirksamt in Bad Dürkheim, an die Regierung in Speyer und das Landwirtschaftsministerium in München gerichtet. Trotz zahlreicher Eingaben kam es zu keinem positiven Bescheid. Ob die in dieser Zeit erfolgten Austritte mehrerer Mitglieder mit dem Bauvorhaben zusammenhingen, darf vermutet werden. Die Verwaltung wollte in diesem Jahr mit dem Bau beginnen und bestellte einen Sachverständigen zur Begutachtung der Sandsteinqualität im hiesigen Bruch am Waldrand zum Bau des Weinkellers.

Doch im August 1925 wurde überraschend „das Anwesen der Frau Gustav Werle Ww. zum Preise von 90.000 Reichsmark angeboten. Betreffendes Anwesen soll unbedingt erworben werden. An dem Preise sollen 10.000 RM abgeboten werden.“ Über den für den Verein so wichtigen Hauskauf findet man keine Notiz in den Vorstandsprotokollen. Lediglich in der Generalversammlung vom 20. Sept. 1925 wurde kurz erklärt: „Der Vorsteher gratulierte, dass das Werle`sche Anwesen erworben ist. Kaufpreis 80.000 RM, worüber die Generalversammlung ihre Zustimmung erteilt.“ Dafür sind auf vielen Protokollseiten alle Kleinigkeiten festgehalten, z.B. der Ankauf von Wirtsmöbeln, Vorhängen, Tischdecken für das Gemäldezimmer, Beratung durch das Gewerbemuseum über die Inneneinrichtung, Telefon, Eisschrank und vor allem die Anschaffung eines Grammophons. Damals wurde auch festgelegt, dass auf das Schild die Aufschrift „Winzerhaus“ mit der Ansicht des Hauses kommen sollte, bis heute das Erkennungszeichen des W.V.

Das großartige Napoleonzimmer im Forster Winzer

Das Winzerhaus selbst ist nach Meinung der Denkmalbehörde „einer der architektonisch anspruchsvollsten Bauten in Forst; das im regionalen Umfeld einzigartige Napoleonzimmer bezeugt die hohe Wohnkultur der Weingutsbesitzer im 19. Jahrhundert“. Erbaut wurde es 1802/03, also unter französischer Herrschaft, von dem Gutsbesitzer J.H. Reichardt in frühklassizistischem Stil und kam Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Werle.

Im Zusammenhang mit dem Hauskauf waren noch einige wichtige Probleme zu lösen. Vor allem hatte die „alte Frau Werle“ das Wohnrecht in dem Gebäude und wollte es für 30.000 RM verkaufen. Der W.V. bot aber nur 400 RM jährlich. Da man sich in langwierigen Verhandlungen nicht einigen konnte, blieb Frau Werle bis zu ihrem Tod 1934 im Winzerhaus wohnen, was immer wieder „zu neuen Schikanen“ führte. Ebenfalls waren das Ausgangsrecht von dem Grundstück auf öffentliche Wege zu regeln sowie das große Gartengrundstück in Teilen zu verpachten.

Außerdem besaß der Winzerverein ja noch den Bauplatz im Elster, den er zum Preis von 4,50 Mark pro qm an die Gemeinde veräußern konnte. Da der Architekt für seine Baupläne 6.000 Mark Honorar verlangte, man diese Pläne aber nicht mehr benötigte, einigte man sich schließlich vor dem Landgericht Frankenthal auf die Zahlung von 1.500 Mark. Im Zusammenhang mit dem Hauskauf wurde bei der Gemeinde ein Baudarlehen über 30.000 Mark aufgenommen. Gleichzeitig wurde ein Wingert im Jesuitengarten gekauft, ¼ Morgen (also 6 Ar) für 4.300 Mark, „da der Name Jesuitengarten für den Verein ein großes Renomee bedeutet“.

Schuldschein

Die Eröffnung der Wirtschaft wurde für das Frühjahr 1926 ins Auge gefasst. Daher kündigte man den Geschwistern Wenser, die ja bisher für den Verein ausgeschenkt hatten. Auch an Jakob Ohler wurde kein Wein mehr geliefert, sodass dieser im gleichen Jahr aus dem Verein austrat, was allerdings nicht ohne Strafe abging, da er seinen Most im Herbst nicht mehr ablieferte. Anfang 1926 wählte die Generalversammlung Andreas Illig als Wirt für das Winzerhaus. In einem Vertrag wurden seine Pflichten genau festgeschrieben, vor allem „gründliche Reinhaltung des Hauses, den Wein nur in frischem Zustande und bei heißer Jahreszeit in kühlem Zustande zu verabreichen“.

Gleichzeitig trat der Vereinsvorsteher Adam Wolfert aus gesundheitlichen Gründen zurück, erklärte sich aber bereit, die Aufsicht über Keller und Weinbehandlung zu behalten. Die Generalversammlung wählte Jakob Hammerstein mit großer Mehrheit zum Vereinsvorsteher, Stellvertreter war Robert Lukas I. und Beisitzer Anton Eschmann.

 

Umzug bei der Einweihung des Winzerhauses

Die Einweihung des Winzerhauses am 16. Mai 1926 wurde mit einem großen Fest und einem Umzug durch die Dorfstraße begangen. Dabei stellten die Winzermädchen in einheitlicher Tracht und die jungen Männer in Winzerkleidung und mit den entsprechenden Gerätschaften die Winzerarbeit im Jahresablauf dar. Die ältesten Mitglieder wurden in einer „Chaise“ gefahren und ein mit Ochsen bespannter Bacchuswagen durfte auch nicht fehlen. Die Stadtkapelle Deidesheim spielte mit 10 Mann zum Tanz auf, „pro Mann 15 Mark und 4 Schoppen Wein“.

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