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Die Kriegszeit

Vom Kriegsgeschehen ab 1939 wurde das Winzerleben zunächst wenig beeinträchtigt. Man hatte mit den Launen des Wetters zu kämpfen: Der 1939er ergab keine große Qualität, und im Januar 1940 erfroren die Wingerte zu einem großen Teil. Wie schlimm die Schäden waren, zeigen die Eintragungen zum 1940er Herbstverlauf: „Infolge des geringen Herbstes wird beschlossen am 1. Tage die 5., 4. und 3. Klasse bis an das Dorf zu lesen und können diese zusammen als 3. Klasse vergütet werden“. Natürlich musste alles restlos abgeliefert werden. Dies wurde auch in den folgenden Jahren in den Herbstversammlungen betont und „stramme Disziplin“ eingefordert. Die Lese musste nachmittags um 3 Uhr beendet werden, einerseits wegen der vorgeschriebenen Verdunklung im Kelterhaus, andererseits damit niemand in der Dunkelheit seine Trauben nach Hause fahren konnte. Als Mitglied E. nachgewiesen wurde, dass er sein gesamtes Herbstergebnis 1942 von 2,5 Logel nicht abgeliefert hatte, verhängte man nach § 14 eine Ordnungsstrafe von 250 RM, abziehbar von seinem Guthaben. In diesem Jahr wurde auch über verheerenden Vogelfraß berichtet. Kein Wunder, dass die Trester heiß begehrt waren zur Erzeugung von Haustrunk; man darf gar nicht an die Spritzmittelrückstände im „Bubbes“ denken! Pro 10 Logel abgeliefertem Most gab es einen Korb Trester zurück.

Neue Doppelkelter für den Forster Winzer

Wegen der großen Frostschäden gab es kaum mehr Setzreben. 1941 wurde vom Staat „ein größerer Betrag für den Frostschaden zur Verfügung gestellt und drängen die Staatsstellen auf Gründung einer Propfrebengenossenschaft“, der man auch beitrat. Auch in den Folgejahren waren die Reben knapp. Daher schlugen die Mitglieder 1943 in Wollmesheim Blindreben auf und erhielten durch Vermittlung der Weinbauabteilung Neustadt auch Reben aus dem Elsass.

 

1937er

Als Folge der Weinknappheit zogen schon ab 1940 die Preise an. Man freute sich über die rege Weinnachfrage, konnte aber die Kunden nicht vollständig beliefern. Daher wurde „beschlossen mit dem vorhandenen Weinlager sehr vorsichtig umzugehen und alle alten Kunden zu berücksichtigen und wird eine Zuteilung für die Zukunft vorgenommen“. Nun konnte man von den Vorräten des „edlen 1937er“ zehren und mit dem vorhandenen Bargeld auch im Frostherbst 1940 den Mitgliedern eine vollständige Auszahlung gewähren, wobei man stolz feststellte: „Es kommt hier die genossenschaftliche Arbeit besonders zur Geltung.“
In den nächsten Jahren wurde die finanzielle Situation des Vereins noch besser. Es gab Weihnachtsgeschenke und Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter, ordentliche Auszahlungen und eine Lebensversicherung für den Rechner sowie für die in den Krieg eingezogenen Mitarbeiter. Aufgrund der positiven Grundstimmung entschloss man sich, einen Teil der Weinberge des Mossbacherhofes zu pachten, was im Notariat Deidesheim beurkundet wurde. Man konnte sogar einen Wingert im Jesuitengarten von Dr. Herberger erwerben. Dieser hatte zwar sein Grundstück nach Berlin verkauft, doch die Kreisbauernschaft räumte dem W.V. einen Art Vorkaufsrecht ein. Im Frühjahr 1942 wurde der Wingert durch die Mitglieder gerodet, die dafür 6 RM pro Tag erhielten.

Etikett aus den dreißiger Jahren

Die großen Bargeldbeträge erlaubten es dem Verein auch, die restlichen Schulden zu tilgen. Da zu Kriegsbeginn die Gemeinde ihr Darlehen für den Saal zurück forderte, nahm man damals einen Kredit bei der LZK Ludwigshafen auf, der 1942 und 1943 in zwei Raten zurückgezahlt wurde. Gleichzeitig wurde die Restschuld vom Hauskauf an die Geschwister Werle überwiesen, sodass man stolz protokollieren konnte: „und sind somit sämtliche Schulden bezahlt und die Genossenschaft vollständig schuldenfrei“.

Die Besetzung und Führung der Gastwirtschaft war in diesen Jahren ein Dauerthema geworden. Zeitweise stand es in jeder Sitzung zur Debatte. 1941 kündigte Fritz Bauer, da er ein anderes Lokal pachtete. In der Ausschreibung bevorzugte man einen Metzger und entschied sich für den Metzgermeister Felix Monschein aus Mannheim-Käfertal. Doch nur dessen Frau zog ins Winzerhaus ein, ihr Mann war zum Heeresdienst eingezogen worden. Die Bedenken der Verwaltung, Frau Monschein sei dem Betrieb nicht gewachsen, erwiesen sich bald als richtig. Die Verwaltung bezeichnete sie als „unhäuslich und unsauber“, Zahlungen erfolgten sehr schleppend. 1942 wurde protokolliert: „Die Führung der Wirtschaft durch die Inhaberin lässt in allen Punkten sehr zu wünschen übrig und ist die Inhaberin ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Da auch im nächsten Monat mit ihrer Niederkunft zu rechnen ist, wird die Wirtschaft auf einige Zeit geschlossen.“ Und in der nächsten Sitzung: „Da die Wirtin Frau Monschein erkrankt ist, wird die Ausschank nur Sonntags in eigener Regie weitergeführt unter der Leitung des Vorstandes Richard Lukas.“ Einen Monat später bekam Herr Monschein Fronturlaub und führte kurz die Gaststätte. Doch 1943 mehrten sich wieder die Klagen und sogar der Ortsgruppenleiter führte „bittere Klage über die Hauwirtschaft der Frau Monschein“.  „So wird keine Polizeistunde eingehalten und den Gästen mehr Wein verabreicht als kontingentgemäß zugestanden ist“, das bedeutete 2 Viertel. Bei der Bestandsaufnahme 1944 stellte man fest: „Das Inventar ist zum Teil in unbrauchbarem Zustande. Durch die Kriegsverhältnisse wäre auch manches zu entschuldigen, aber der großen Schlamperei der Wirtin ist dies zuzuschreiben.“ In der 1945 beginnenden Besatzungszeit ruhte die Wirtschaft, der Vertrag wurde Ende 1946 gekündigt.

Ab 1943 wurde die Stimmung auch in den Vereinsprotokollen gedrückt. Zu Weihnachten dachte man an die Mitglieder und ihre Söhne, die im Krieg waren, ebenso zu Beginn jeder Generalversammlung: „Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit deutschem Gruße und gedachte der verstorbenen Mitglieder und besonders der gefallenen Krieger.“ Als Neumitglieder wurden fast nur noch Frauen aufgenommen, oft mit dem Zusatz „an Stelle ihres gefallenen Vaters, Bruders oder Ehemannes“. Die zunehmende Verbitterung drückt sich auch in einem Eintrag aus, als der Verein auf Betreiben eines Parteifunktionärs wegen angeblich falscher Preisauszeichnung angezeigt und mit einer Geldstrafe belegt wurde: „Mit Mühe und Not arbeitet der Winzer den ganzen Tag nur zur Erhaltung seiner Existenz und auf brutale Weise steuert man ihm seine saueren Ersparnisse weg, und der beste Weg für diese Menschen wäre die Front, wo sich so viele strebsame fleißige Winzersöhne schon verblutet haben und noch verbluten werden.“

So ist auch zu verstehen, dass die 25-Jahrfeier 1943 „in besonders schwierigen und umständigen Zeiten stattfand und auch den Kriegsverhältnissen angepasst war“. Das Protokoll der Generalversammlung mag für sich sprechen: „Infolge des Krieges wurde von einer offiziellen Feier abgesehen da dieses bei der heutigen schweren Zeit nicht statthaft ist. In den abgelaufenen 25 Jahren liegt viele Arbeit verborgen, die es auch würdig ist sich ihrer zu erinnern, denn viel Schweiß und Aufopferung hat es gekostet, bis die Genossenschaft den gebührenden Platz mit ihren vorzüglichen Qualitätsweinen einnehmen konnte.“

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