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Die ersten Jahre im Forster Winzerverein

Die ersten Jahre im Forster Winzer - Forst im 19. Jahrhundert

Der kleine Ort Forst im Herzen der Mittelhaardt ist seit Jahrhunderten geprägt vom Weinbau. Weinlagen wie z.B. Kirchenstück, Jesuitengarten, Ungeheuer oder Pechstein begründeten den guten Ruf unserer Gemeinde, aber auch Wohlstand für wenige Weingüter, die es verstanden, Forster Weine landesweit zu vermarkten. Die zahlreichen kleinen Winzerbetriebe allerdings lebten meist in ärmlichen Verhältnissen, abhängig vom Wetterverlauf und den häufig auftretenden Frostperioden, ohne moderne technische Geräte und mit einfachen Mitteln gegen die Schädlinge ankämpfend. Da sie selbst ihren Wein kaum vermarkten konnten, waren sie als „Notanbieter“ meist den Weinhändlern oder Gutsbesitzern ausgeliefert, die in guten Jahrgängen den Lesetermin hinauszögerten um Auslesen zu erhalten, häufig die Preise drückten und nicht selten die Winzer gegeneinander ausspielten.

Die Satzung des Forster Winzervereins 1918

Schon um 1900 griffen daher in einzelnen Weinbaugemeinden die Winzer die Genossenschaftsidee auf, die Friedrich Wilhelm Raiffeisen ab 1845 als Hilfsorganisation für arme Landwirte entwickelt hatte. Die um 1900 in der Winzerschaft herrschende Aufbruchstimmung lässt sich an einem Aufruf des Deidesheimer Lehrers Mungenast ablesen: „Ihr Pfälzer, wahrt durch Zusammenschluss euren Vorteil, gründet Winzervereine. Setzt alles daran, dem Pfälzer Wein einen Weltruf zu schaffen. Eure Nachkommen werden dann Euer Andenken segnen.“ So entstanden die ersten Winzergenossenschaften, aber auch Spar- und Darlehenskassen. Relativ spät und in unsicherer Zeit – gegen Ende des 1. Weltkrieges – reifte auch in Forst die Idee sich zu einem Winzerverein zusammenzuschließen. Aus der erhaltenen Gründungsurkunde geht hervor, dass 55 Mitlieder am 30. Mai 1918 den Forster Winzerverein als „eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht“ durch Unterzeichnung der Satzung gründeten.

In der sich anschließenden Mitgliederversammlung mit 54 Anwesenden wurden folgende Organe gewählt:

Gründungsurkunde vom 30. Mai 1918

Vorstandsmitglieder:
1. Georg Mosbacher zum Genossenschaftsvorsteher
2. Rudolf Oehl als Stellvertreter
3. Anton Lukas

Aufsichtsratsmitglieder:
1. Peter Tremmel
2. Anton Eschmann
3. Emil Lukas
4. Jakob Schmitt
5. Emil Körber
6. Franz Jean

Rechner: Hauptlehrer Peter Pfeiffer

Über die Beweggründe und den Anlass zu dieser Gründung schweigen die Protokolle. Allerdings vermerkt Otto Stang als Zeitzeuge in seiner Ortschronik: „Der hiesige Winzerverein…beruht, wie alle derartigen Vereine, auf dem Grundsatze der Selbsthilfe und hat den Winzern den Weg zur Selbstständigkeit in ihrem Berufe aufgeschlossen und damit ihre Freudigkeit und Ausdauer zur Arbeit wesentlich gesteigert.“

Die Gründungsmitglieder des Forster Winzervereins

Zunächst mussten grundlegende Voraussetzungen für den Genossenschaftsbetrieb geschaffen werden. Am wichtigsten war ein passendes Gebäude und ein Keller, dazu eine Kelter und Kellereieinrichtungen, um den ersten Herbst zu verarbeiten und einzulagern. Leider sind die Sitzungsprotokolle hier lückenhaft; es wird lediglich mehrfach mit Herrn Spindler über die Höhe der Keller– und Fässermiete verhandelt. Demnach war das Betriebsgebäude im heutigen Weingut Spindler  Lindenhof untergebracht. Dass dies keine Dauerlösung sein konnte, wird später noch dargelegt.

Die Protokolle geben sehr ausführlich Auskunft über mehr oder weniger wichtige Themen: Löhne für die Kellerarbeiter und den Rechner mussten festgesetzt werden, ebenso Zulagen für Licht und Brand. Ein „Telephon im Hause des Rechners“ wurde ebenso angeschafft wie ein Kassenschrank und ein Bücherregal. Man bestellte einen Vereinsdiener und wählte eine Wingertkommission. Eine vorläufige Einteilung der Wingerte in 5 Klassen wurde vorgenommen. Natürlich drehten sich viele Sitzungen um Fragen des Herbstbeginns, der Leseordnung und der Auszahlung, wobei kurz nach dem Herbst zunächst eine Anzahlung und zu einem späteren Zeitpunkt die Festsetzung der Klassenpreise erfolgte.

Über die Einhaltung der Leseordnung und Herbstdisziplin erfahren wir zahlreiche Einzelheiten. So wurden schon damals der Herbstbeginn und die Lese der einzelnen Klassen am Aushangbrett bekannt gemacht und genau kontrolliert. Für die schwere Arbeit im Kelterhaus wurden jedes Jahr Kelterhausarbeiter bestimmt. Wichtig war auch das Amt des Eichmeisters. Denn die geernteten Trauben wurden schon am Wingert zu Maische gequetscht und im Kelterhaus mit geeichten Holzlogeln zu 40 Liter Inhalt abgemessen. Das abgelieferte Volumen und die Herkunft aus einer bestimmten Klasse waren Grundlage für die Auszahlungen: der Zuckergehalt wurde noch nicht gemessen.

Während über die Annahme oder Freigabe des Portugieser jedes Jahr abgestimmt wurde, bestand für den Weißmost strenge Ablieferungspflicht. Damit niemand davon heimlich etwas nach Hause brachte, mussten die Türchen der Herbstlotten offen sein, wenn man in den eigenen Hof fuhr; bei der Lese der Ortswingerte musste das Fuhrwerk auf einem öffentlichen Weg stehen und der Most vom Haus weg getragen werden. Jedes Jahr wurde in der Herbstversammlung betont, dass das Lesegut sehr sorgfältig sortiert werden musste: „Minderwertige oder unreife Ware wird zurückgewiesen. Der Vorsitzende mahnte die Mitglieder, dass es nicht zu Ausschreitungen kommen soll und Ruhe und Besonnenheit zu wahren.“

VDNV-Wappen und Verbandszeichen 1926

Einen breiten Raum nahmen die Beratungen zum Verkauf der Weine ein. Nur wenig wird über Flaschenweinverkauf berichtet. Die großen Mengen wurden bei Versteigerung abgesetzt, zumal der Winzerverein nicht ohne Stolz Mitglied im Verband Deutscher Naturweinversteigerer e.V. bzw. im Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz war.

Diese Versteigerungen wurden gewissenhaft vorbereitet, die einzelnen Weinnummern taxiert und die Arbeiten verteilt. Dass es nicht immer harmonisch zuging, zeigt der Auszug aus einem Schreiben des Winzervereins an den Verein Pfälzischer Weinhändler: „Die Vorstandschaft und der Aufsichtsrat bedauern auf das Tiefste, dass solche Ausschreitungen und Verletzungen des Anstandes von einzelnen Mitgliedern vorgekommen sind. Gegen die betreffenden Mitglieder wird auf das Schärfste vorgegangen und § 7, Abs. 3, unserer Satzung zur Anwendung gebracht.“ Der hier angedrohte Ausschluss aus dem Verein wurde zwar nicht vollzogen. Doch war man damals mit diesem Instrument schnell bei der Hand, wenn z.B. die Streichung des Mitglieds W. beim Registergericht beantragt wurde, „da der selbe zahlungsunfähig und auch geistig nicht normal ist.“

Forster Winzerverein als Mitglied des VDNV

Empfindlich reagierte man auch, wenn die Ehrlichkeit von Verwaltung oder Bediensteten angezweifelt wurde. So wurde 1921 eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, die nicht näher genannte Vorwürfe an den Rechner klärte und ihm das Vertrauen aussprach. Man kann vermuten, dass die Schwierigkeiten mit dem Rücktritt des Vereinsvorstehers Georg Mosbacher und seinem Austritt aus der Genossenschaft zusammen hing. Diese bestand nach §6 der Satzung darauf, dass er seine Trauben weiterhin abzuliefern habe. Schließlich wurde sein Sohn mit seiner Teilfläche in den Verein aufgenommen und auf die Traubenlieferungen des Vaters verzichtet. Am 26.05.1921 wurde die Vereinsspitze neu gewählt: Adam Wolfert III. wurde Vorstand, Anton Lukas wiedergewählt und anstatt des schon vorher ausgeschiedenen Rudolf Oehl kam Peter Tremmel in den Vorstand. Der neue Vorsitzende Adam Wolfert hatte „vollständige freie Hand bei der Behandlung der Weine, d.h. der Küfer und die Mitarbeiter haben sich seinen Anweisungen zu fügen.“

Weinetikett mit dem Emblem des VDNV

In zahlreichen Sitzungen befasste man sich auch mit den Themen Gastwirtschaften und Weinausschank. Schon im Gründungsjahr beschloss die Generalversammlung die Fortführung einer Schankwirtschaft und Anfang 1919 wurde Robert Lucas zum Schankwirt gewählt. Er hatte Lokal, Licht und Brand zu stellen, während der Verein Tische, Stühle, Gläser usw. beisteuerte. Der Vertrag vermerkt besonders: „Der Straußwirt ist verpflichtet die gelieferten Weine im Naturzustande zu verschenken.“ Auch „dem Wirte Fromlett von hier wird Zapfwein verabreicht.“ Gezapft wurde aus kleinen Fässern von etwa 50 Liter Inhalt; Flaschenweine wurden kaum ausgeschenkt.

1921 übernahmen die Geschwister Ida und Babette Wenser „in ihrem Anwesen, Hauptstr. 84, die ihnen von der Generalversammlung übertragene Ausschankstelle, vorerst Straußwirtschaft des W.V. Forst“. Auch in diesem Vertrag wurde betont: „Die Weine müssen in demselben Zustande wie sie der Verein liefert, verzapft werden; sie müssen, soviel als möglich, frisch kredenzt werden. Erstmalige Zuwiderhandlung löst sofort den Vertrag auf.“ Zu gleichen Bedingungen erhielt auch die Schankstelle Jakob Ohler Ww. in der Niederkircher Str. 1 Winzerwein. Die Provisionen schwankten zwischen 10 und 12%, der Ausschankpreis wurde vom Vorstand festgelegt.

Forster Winzerverein eG
Weinstraße 57
67147 Forst

Fon: +49 6326 306
Fax: +49 6326 1391
E-Mail: info@forster-winzer.de

Öffnungszeiten Forster Winzerverein:
Montag - Freitag: 8.00 - 18.00 Uhr durchgehend
Samstag: 9.00 - 13.00 Uhr

Weinverkaufsstelle Marie Luise Doll in Forst:
Täglich, auch samstags, sonntags, feiertags und nach Geschäftsschluss