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Die Achtziger Jahre und die Krise in der Weinbranche

Schon Ende der 70er Jahre hatte sich der Geschäftsverlauf positiv entwickelt. Auch zu Beginn des neuen Jahrzehnts konnten Umsatz und Durchschnittserlöse meist gesteigert werden. Doch dann erschütterte der sogenannte Glykol-Skandal die Weinwelt: in Österreich waren Weine durch Zusatz von „Frostschutzmittel“ zu höheren Qualitäten verbessert worden, und die Medien berichteten darüber in aller Breite; die Verbraucher waren verunsichert. Nachdem solche Weine auch nach Deutschland gelangten und mit hiesigen Produkten illegal verschnitten wurden, brach das Vertrauen in den Wein völlig zusammen. Dass naturgemäß die Fassweinpreise nachgaben, traf den F.W.V. besonders hart, da er bisher den Großteil des Weines auf diesem Absatzweg verkaufte. Die Umstellung auf Flaschenweinverkauf war während der Krise und in kurzer Zeit nicht zu schaffen, obwohl man verstärkt in Werbung investierte und versuchte neue Absatzwege zu erschließen. Ab 1985 wurden jährlich „Tage des offenen Weinkellers“ durchgeführt. Hierbei wurde „Samstag und Sonntag der Verkauf offen gehalten. Im Keller wird ein Probierstand aufgebaut, an welchem die Besucher gegen Bezahlung probieren können.“

Als 1985 wegen Frostschäden und Hagelschlag nur eine kleine Ernte eingebracht werden konnte, drückte dies zusätzlich auf die Erlössituation der Genossenschaft. Die folgenden Herbste brachten zwar wieder überdurchschnittliche Mengen, aber keine hohen Qualitäten, die für Nachfrage und höhere Preise gesorgt hätten. Der Versuch, über Vertreter den  Absatz zu erhöhen, schlug wegen der desolaten Preisentwicklung und des überall herrschenden Angebotsdrucks fehl. Für die Privatkunden schuf man einen Kaufanreiz durch 10% Rabatt bei Selbstabholung ab 60 Flaschen bzw. Frei-Haus-Lieferung ab dieser Menge an einen Empfänger. Diese Maßnahme wurde gerne angenommen und hat sich bis heute bewährt.

Alter Holzfasskeller

Zu Beginn der 80er Jahre wurde noch kräftig in Betrieb und Keller investiert: Eine neue Abfüllanlage und ein neuer Schichtenfilter wurden gekauft. Um die größeren Erntemengen zu bewältigen, schaffte man zwei große Willmes-Pressen an und gab die alten in Zahlung. 1983 wurde ein Außentanklager mit 6 Edelstahltanks zu je 20.000 Liter für 60.000 DM errichtet. Zusätzlich benötigte man eine neue Traubenmühle und eine Ablademulde zur Beschickung der neuen Keltern. Ein Teil der reparaturbedürftigen Betonfässer wurde mit Kunststoff ausgekleidet und mit Edelstahl-Armaturen versehen. Da der Lagerraum noch nicht reichte, mietete man kurzfristig einen Keller in Bad Dürkheim an. Auch andere Reparaturen konnte man nicht aufschieben: Da die Gemeinde zwar Interesse am Saal hatte, aber sich nicht an den hohen Instandsetzungskosten beteiligen konnte, beschloss die Verwaltung, ihn endgültig als Flaschenlager zu nutzen. Man isolierte in Eigenleistung die Saaldecke, ließ das Dach abdichten, die Nordwand verputzen und eine Gasgebläseheizung einbauen.
Doch schon 1984 protokollierte man: „Die Auszahlung wurde der Marktlage entsprechend niedrig angesetzt. Investitionen werden auf das Allernotwendigste beschränkt.“ So wurden in der Gaststätte nur kleinere Reparaturen durchgeführt und ein Teil des Saalkellers betoniert, um Raum für Gitterboxen zur Flaschenlagerung zu gewinnen. Außerdem wurde der erste Kieselgurfilter für 30.000 DM angeschafft.

Mit der Hand aufgesetzte Flaschen

In diesen schwierigen Jahren gab es auch einige Veränderungen in der Verwaltung und beim Personal: Auf die Bürokraft Frau Doll folgte Frau Huppertz und nach deren Weggang Frau Ellen Lucas. Die langjährigen Mitarbeiter Paul Sebastian und Luise Braun wurden 1984 verabschiedet. 1987 wurde Ulrich Wolf als Küfer eingestellt. Für den 1982 zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Alois Gans übernahm Werner Lucas dieses Amt, neu gewählt wurde Ernst Kölsch, für den 1986 Heinz Lietz in den Aufsichtsrat kam. Aus dem Vorstand schied 1987 der 2. Vorsitzende Joachim Seiberth aus. Für ihn wurde Günter Krack gewählt. Als 1988 der langjährige Geschäftsführer Heinz Lucas krankheitshalber in den Ruhestand ging, riet Herr Werner vom Verband, „eine junge dynamische Kraft zu engagieren, die mit Hilfe neuer Ideen den Flaschenweinumsatz fördern sollte“. Die Verwaltung befolgte diesen Rat und stellte zum 01.06. Dietmar Bonn als neuen Geschäftsführer ein.

Flaschenlagerung in Gitterboxen

Nun könnte man die Weiterentwicklung des F.W.V. nach 1988 betrachten, doch zuvor muss nochmals ein Dauerthema in den Protokollen aufgegriffen werden: die Frage nach dem richtigen Wirt. Es wurde erwähnt, dass Familie Meiser in den 70er Jahren das Lokal erfolgreich führte. Damals bekam auch das Sälchen neue Fenster und eine dem Zeitgeist entsprechende Zwischendecke. Doch 1982 reichte Herr Meiser die Kündigung ein. Man wählte als Nachfolgerin Frau Schwarz, die mit Überzeugungskraft und Prospekten von der Orangerie in Berlin beeindruckte. Nach kurzer Renovierung wurde die Gaststätte im Dezember wieder eröffnet. Doch schon im Februar 1983 berichten die Protokolle: „Frau Schwarz hat die vereinbarte Kaution nicht bezahlt. Frau Schwarz wurde nahegelegt für einen reibungslosen und sauberen Betrieb der Gaststätte zu sorgen. Eine Dunstabzugshaube soll erst gekauft werden, wenn der Betrieb richtig läuft, da nach Weggang des Kochs wieder sehr geklagt wird.“ Da auch die Pacht nicht bezahlt wurde, erhielt Frau Schwarz am 06.04.1983 die fristlose Kündigung. Wie üblich begann wieder die Suche mit Inseraten und Gaststättenbesuchen. Nach etlichen Fehlschlägen konnte am 01.09.1983 ein Vertrag mit Herrn Turnacker und Frau Machwirt geschlossen und am 22.10. die Eröffnung gefeiert werden. Nun hatte die Verwaltung eine Verschnaufpause, bis die Wirtewohnung 1986 in Brand geriet. Als der Schaden beseitigt war und man mit den Pächtern strittige Punkte geklärt hatte, wurde die Gaststätte bis zur Kündigung am 31.03.1990 weitergeführt.

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