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Der Bau des großen Saals 1930

Der Aufschwung nach der Inflationszeit, also „die goldenen zwanziger Jahre“ wirkte sich in der Pfalz kaum aus, da diese zunächst von französischen Truppen besetzt war und ab 1925 erst langsam den Anschluss an das Reich fand. Auch die Weinwirtschaft litt unter dieser Abgrenzung der Pfalz. Erst 1927 meldet der Prüfbericht der Genossenschaft: „Die Entwicklung des Vereins berechtigt zu guten Hoffnungen“. Doch schon 1929 klagte man wieder über schlechten Weinabsatz. Dieser verschlechterte sich weiter infolge der Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash Ende 1929. Die Arbeitslosigkeit stieg immer schneller, die Menschen konnten sich weniger Wein leisten. Die Weinpreise fielen ebenfalls; auch in der Gaststätte musste der Viertel-Preis zurückgenommen werden.

Verzeichnis des Bischöflichen Ordinariats Speyer 1930 über Messweinlieferanten

In dieser Situation ließen Rechner und Verwaltung nichts unversucht um den Weinabsatz anzukurbeln. Man schaltete Anzeigen in den verschiedensten Blättern, man plante Hinweisschilder auf die Gaststätte an den Ortseingängen von Forst, man eröffnete sogar in Zweibrücken eine Weinwirtschaft unter eigener Regie. Doch die wirtschaftliche Lage schlug auch auf die Weinabnehmer durch. Immer wieder beklagte die Verwaltung die schlechte Zahlungsmoral der Kunden, der Gastwirte und sogar einzelner Weinhändler. An der Qualität und der Bekanntheit des Forster Weines konnte es jedenfalls nicht liegen. So schrieb beispielsweise das Bischöfliche Ordinariat in Speyer 1930 an die Pfarreien, „dass sie den völlig vertrauenswürdigen Winzer-vereinen ein Zeugnis ausstellten, dass dieselben für den Bezug von Messwein die erforderlichen Garantien bieten.“ Als Messweinlieferanten wurden neben-stehende Genossenschaften genannt:

Da inzwischen der Ausschank in den Gaststätten der sicherste Absatzweg geworden war, reifte 1929 der Entschluss, im eigenen Anwesen einen großen Saal zu bauen, um die Ausschankkapazität zu erweitern. Zwar stellte man diesen Plan nochmals zurück, auch weil man bei der Spindler-Steinmetzschen Versteigerung unbedingt einen Wingert im Kirchenstück bzw. Ungeheuer erwerben wollte. Anfang 1930 griff man die Bauplanung wieder auf, denn „der Vorstand ist einstimmig der Meinung, dass infolge des schlechten Weinabsatzes etwas geschehen muss um den Fremdenverkehr zu heben und einen größeren Weinabsatz zu gewinnen“.

Ehrengäste bei der Einweihung des neuen Saals
Ehrengäste bei der Einweihung des neuen Saals

Nachdem Anfang 1930 die Generalversammlung die Genehmigung für einen Saal mit Weinkeller erteilt hatte, begann man zügig mit dem Bau. Die Maurerarbeiten wurden an die Firma Stauder, Ruppertsberg übertragen. Die Schreinerarbeiten einschließlich der Tische führten die beiden Schreinermeister Lukas aus. Die Spenglerarbeiten erledigte Heinrich Braun, Schmiede- und Installationsarbeiten der Schmiedemeister Peter, die Malerarbeiten der Tünchermeister Mosbacher. Die Stühle bezog man von Krasemann aus Neustadt. Nachträglich wurde noch eine Vertäfelung der Wände in Stuhlhöhe beschlossen. Nach einem halben Jahr schon wurde Anfang Oktober 1930 mit einer Reihe von Ehrengästen und Musik die Einweihung gefeiert.

In der Folge wurde der Saal rege genutzt: an der Kirchweih im August und der Nachkirchweih im November, an Fronleichnam und zu vielen anderen Gelegenheiten. Zeitweise war im Sommer jeden Sonntag Tanz mit einer Kapelle oder nach der Musik aus der Radioanlage. Allerdings wurde man bald angezeigt und musste daraufhin eine Tanzsteuer entrichten. Auch die Außenanlage wurde neu gestaltet.

Die Finanzierung des Neubaus war aber noch nicht gesichert, denn die  erwarteten Staatszuschüsse ließen auf sich warten, sodass man eine Hypothek auf das Winzerhaus aufnehmen musste. Zudem war Anfang der 30er Jahre wegen der unsicheren politischen Lage und der hohen Arbeitslosigkeit auch der Weinabsatz denkbar schlecht, was eine Notiz von 1931 deutlich zeigt: „Infolge der Notverordnungen kann soeben keine Auszahlung stattfinden und die Finanzlage der Mitglieder ist nicht besonders. Um dass dieselben aber die Kirchweih besuchen können wird einstimmig beschlossen Gutscheine für Wein abzugeben und lautet 1 Gutschein für 1 Schoppen Wein.“ Für die folgenden Auszahlungen gewährte die Raiffeissen- Verbandskasse jeweils nur einen kleinen Kredit, sodass die Zahlungen an die Mitglieder sehr gering ausfielen. Zusätzlich häuften sich die Klagen wegen säumiger Kunden; manche Forderung wurde abgeschrieben oder ein Vergleich geschlossen.

Inserat von 1932

Parallel zum Saalbau hatte man sich auch mit der Wirtsfrage auseinanderzusetzen: „Infolge der ungerechten Vergehen und der gemeinen Drohung wird einstimmig beschlossen dem Winzerwirt Andreas Illig bis zum 30. Juni 1930 zu kündigen.“ Auf ein Inserat meldeten sich 7 Bewerber. Gewählt wurde Fritz Bauer, der die Gaststätte und die Bewirtschaftung des Saales übernahm und mit Erfolg führte: „und war großer Betrieb im Hause und die Bedienung im Saal zu wenig. Der Wirt muß bei künftigen Gelegenheiten für mehr Bedienung sorgen.“ Außerdem musste sich der Wirt stärker an Wasser und Strom beteiligen, auch wegen des Schlachthauses.

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