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Aufschwung in den Siebziger Jahren

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts ergaben sich einige Veränderungen in der Verwaltung. Nachdem der 2. Vorsitzende Oswald Lukas am 01.12.1969 verstorben war, wählte die Generalversammlung den bisherigen Aufsichtsrat Heinz Deimel für dieses Amt. Für ihn kam Theo Eschmann neu in den Aufsichtsrat. Als 1972 Martin Böhl aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, wurde Horst Wenser in den Vorstand gewählt. Bis 1979 ergaben sich keine personellen Veränderungen mehr.

Wesentliche Neuerungen kamen von außen auf den W.V. zu: Die 1970 in Kraft getretene EWG-Weinordnung liberalisierte den Weinhandel in den Mitgliedsländern. Kurz vor dem Herbst 1971 trat das neue deutsche Weinrecht in Kraft. Es brachte die Güteklassen Tafelwein, Qualitätswein und Qualitätswein mit Prädikat, ebenso die amtliche Qualitätsweinprüfung. Um eine bessere Transparenz für den Kunden zu erreichen, wurde die verwirrende Menge der Weinlagen zusammengefasst und vereinheitlicht. Auch in Forst wurde eine Zusammenfassung vorgenommen, wobei die weltberühmten Weinlagen weitgehend erhalten blieben. Der Entwurf des neuen Weinlagengesetzes wurde in der Verwaltung des W.V. diskutiert und die Lagenverteilung mitgestaltet. Danach besaß die Gemeinde Forst zehn Einzellagen. Später wurde die Lage Süßkopf zur bekannteren Lage Stift dazugenommen, sodass Forst heute neun Einzellagen besitzt.

Karte der Weinbergslagen 1971

Da die Mitgliedschaft im Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer jetzt hinfällig war, wurden die Weinetiketten entsprechend umgestaltet. Mit Nachdruck bemühte man sich jetzt um die Anerkennung als Erzeugergemeinschaft. 1975 wurde eine Neuaufnahme der Weinbergsflächen aller Mitglieder durchgeführt und die Anerkennung nach dem Marktstrukturgesetz mehrfach beantragt. Doch in der entsprechenden Durchführungsverordnung war „die Mindestanbaufläche auf 100 Hektar Rebfläche festgesetzt“. Da der W.V. leider nur knapp 70 Hektar Fläche besaß und keine Aussicht auf Anerkennung bestand, wurden Stimmen laut, die eine Fusion mit dem Winzerverein Deidesheim forderten und mit Austritt aus dem Verein drohten. In einer Mitgliederversammlung am 19.07.1978 legte Herr Abteilungsleiter Werner vom Genossenschafts-Verband „die derzeitige Situation der Genossenschaft dar und erläuterte auch, worauf die geringeren Auszahlungsleistungen zurückzuführen“ waren: hohe Investitionen ohne Zuschüsse, hohe Zinsbelastung und zu geringe Flaschenweinvermarktung. Nach lebhafter Diskussion sprachen sich nur 3 von 51 Anwesenden für Fusionsgespräche aus und verließen dann den Verein. Man nahm sich fest vor, das Flaschenweingeschäft auszubauen. Dem sollten auch die beiden neuen Weinverkaufsstellen Doll und Wenser dienen, nachdem Frau Illig ihre Verkaufsstelle aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte. Ebenso fasste man die Umgestaltung des Probierraumes ins Auge, wovon noch zu berichten ist.

Kühltanks aus Edelstahl

Die neue Gesetzeslage und die veränderte Marktsituation erforderten in diesem Jahrzehnt zahlreiche Investitionen und Bauvorhaben: 1970 baute man den Gewölbekeller unter dem alten Stallgebäude zum Kühlkeller aus, damit man auch restsüße Weine lagern konnte. Die Edelstahlfässer kosteten 87.400 DM, die dafür notwendige Kühlanlage 49.000 DM.

Allerdings schuf wieder einmal ein Hagelschlag Probleme bei der 1970er Ernte. Außerdem hatte man Pech mit einem kurzfristig gekauften Edelstahltank von 60.000 Liter Inhalt. Da das  Fundament östlich des Saales nach der Befüllung nachgab, neigte sich  der Tank und stürzte über die niedrige Mauer in das Nachbargrundstück. Ein Bild von dem mit den Füßen nach oben liegenden leckgeschlagenen Tank war nicht aufzutreiben, dafür ist der Ausruf eines Verwaltungsmitglieds überliefert: „Stützen, bringt Stützen!“ Da eine Küferstütze nur zehn Liter fasst, hätte man den auslaufenden Most so nicht auffangen können. Doch einige beherzte Mitglieder dichteten das Loch mit den Händen notdürftig ab, bis eine Schlauchleitung gelegt war und man den Most in  den Keller pumpen konnte. Neben dem Weinverlust von ca. 10.000 Liter hatte man sich auch mit einer Regressforderung der Firma herumzuschlagen. Kurzerhand ließ man den Tank reparieren und auf ein hinter der Gaststätte gegossenes Fundament legen, wo er noch immer seinen Dienst tut bzw. den Platz versperrt.

Der verunglückte 60000er Tank

Das Weingesetz bedingte 1971 auch die Abschaffung des gemischten Satzes in den Weinbergen; künftig sollten nur noch sortenreine Wingerte angelegt werden. Weiterhin mussten eine neue Klasseneinteilung und Leseordnung beschlossen werden, da man die Trauben jetzt nach Lage, Rebsorte und Qualitätsstufe getrennt einzulagern hatte. Der 1971er entschädigte dafür mit ausgezeichneter Qualität, außer in den trockengeschädigten Anlagen. Wegen der guten Ernteaussichten 1972 überlegte man sogar, einen Teil der Holzfässer im Hauskeller durch Edelstahltanks zu ersetzen. Man entschloss sich aber auf dem Weinbaukongress kurzerhand zwei liegende 50.000er Edelstahltanks zur Lagerung im Freien für 35.000 DM zu erwerben.

Neue Edelstahltanks im Freien

Größere Erntemengen, auch durch ertragsstärkere Propfreben, und höherer Flaschenweinumsatz – so wurde der Saal inzwischen meist als Flaschenlager genutzt – ließen Pläne zur Erweiterung der Betriebsgebäude reifen. 1974 holte man Angebote ein für den Bau einer Kelterhalle in Leichtbauweise, wobei Fa. Stauder Fundamente und Betonplatte für 50.000 DM errichtete. Kurz vor dem Herbst 1975 war das Vorhaben zum Gesamtpreis von 122.000 DM abgeschlossen. Aus finanziellen Gründen und weil ein Teil der Verwaltung die Zukunft zu pessimistisch einschätzte, entschied man sich gegen eine Unterkellerung der Halle, was sich bald als großer Nachteil erwies. Weil der Fassraum 1975 wieder nicht reichte, mietete man den Schulkeller und bestückte ihn mit Kunststofftanks, sodass man wieder fast 200.000 Liter dazu gewann.

Neues Kelterhaus ab 1975

Als weitere Investitionen ins Haus standen, entschied man sich für die Anschaffung eines Separators für 51.500 DM. Eine neue Abfüllanlage lehnte man ab, „da die Entwicklung der Genossenschaft eine rückläufige Tendenz aufweist. Vor allem im Zuge der Flurbereinigung geht die Weinbergsfläche ständig zurück.“ Anscheinend schaute man damals nicht sehr positiv in die Zukunft, was auch die schon erwähnte Fusionsdiskussion zeigte. Andererseits bescheinigen die Prüfberichte gegen Ende der 70er Jahre der Genossenschaft eine durchaus erfreuliche Entwicklung, was sicher auch mit den guten Jahrgängen zu tun hatte. So konnte man z.B. 1978  berichten: „Der Umsatz konnte auch im letzten Geschäftsjahr wesentlich gesteigert werden, so dass es erstmals nach langer Zeit möglich war, die Herbstauszahlung ohne Inanspruchnahme von fremden Geldern durchzuführen.“ Im gleichen Jahr erhielt der W.V. insgesamt 6 Gold-, 22 Silber- und 8 Bronzemedaillen.

Neue Weinprobierstube ab 1978

Da sich diese positive Entwicklung fortsetzte und auch Herr Werner vom Verband zur Schaffung moderner Probierräume riet, beauftragte man 1978 Herrn Architekt Schönmehl mit den Planungen. Im Jahr 1979 wurden das Probierzimmer und die Büroräume für ca. 160.000 DM gestaltet. Zusammen mit dem neuen Werbetransparent an der Umgehungsstraße waren jetzt einige Voraussetzungen für die Steigerung des Privatgeschäftes geschaffen, zumal ab 1980 der Weinverkauf an Samstagen durch die Belegschaft und mit ehrenamtlicher Unterstützung der Verwaltungsmitglieder durch-geführt wurde.

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